Der unschätzbare Wert einer glücklichen Kindheit

Viele psychische Erkrankungen sind auf die Kindheit zurückzuführen, vor allem Bindungstraumatisierungen hinterlassen tiefe Narben. Besonders in den ersten fünf Lebensjahren ist ein Mensch seinem Umfeld komplett ausgeliefert. Enge Bezugspersonen wie z.B. die Eltern haben dabei den größten Einfluss auf das spätere Leben eines Kindes: Die Fürsorge, der Erziehungsstil und eigentlich das Gesamtbild der Eltern prägt das Kind und dessen Persönlichkeitsentwicklung stark.

Während sich ein psychisch gesundes Umfeld, soziale Kontakte und ein gutes Ersatzmilieu nach eventuellem Mutterverlust positiv auf das spätere Leben auswirken, gelten eine gewaltvolle, disharmonische Umgebung, Abwesenheit von engen Bezugspersonen und Reizentzug als gesicherte Risikofaktoren für eine gestörte Entwicklung.

Bei Körperkontakt schütten Säuglinge Endorphine aus – werden sie nach der Geburt allerdings von ihren Müttern getrennt, so regt das die Ausschüttung von Stresshormonen an: Gift für die Entwicklung des noch unreifen Gehirns! Besteht ein solcher Mangel an Körperkontakt über längere Zeit, so hat das nämlich tatsächlich biologische Dysfunktionen zur Folge. Die rechte Hirnhälfte ist vermutlich besonders betroffen, was später Beeinträchtigungen in der Affektregulation, in der Stressbewältigung und im Bindungsverhalten haben kann.

Kinder, die frühkindlich zwar körperlich umsorgt, denen aber dauerhaft jegliche Liebe und soziale Kontakte vorenthalten werden, entwickeln relativ rasch eine Deprivationsstörung („Hospitalismus“) und büßen oft soziale, aber auch intellektuelle Fähigkeiten ein – teils irreversibel. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist Kaspar Hauser:

Dabei handelt es sich um einen Jungen, der Anfang des 19. Jahrhunderts in Nürnberg verstört, völlig verwahrlost und offenbar geistig zurückgeblieben aufgefunden wurde: Er war zu dem Zeitpunkt etwa 16 Jahre alt und konnte weder lesen noch schreiben, auch das Sprechen bereitete ihm Mühe. Von diesem Jungen wurde erzählt, dass er sein ganzes Leben lang im Dunkeln bei Wasser und Brot im Keller eingesperrt gelebt hatte.

Über das Erwähnte hinaus haben natürlich aktiver psychischer und/oder sexueller Missbrauch sowie körperliche Gewalt extremste Schäden für die Psyche zur Folge, besonders wenn es sich bei den TäterInnen um Nahestehende handelt. Einmalige Erfahrungen können dabei noch besser weggesteckt werden als das anhaltende Erleben traumatisierender Ereignisse. Betroffene von Kindheitstraumata entwickeln vermehrt gesundheitliche Risiko-Verhaltensweisen (z.B. überdurchschnittlicher Alkohol- bzw. Drogenkonsum) und leiden später häufiger an komplexen Persönlichkeitsstörungen wie Borderline.

Was ich vermitteln möchte:
Liebe und Aufmerksamkeit bzw. insgesamt ein harmonisches Umfeld sind für eine gesunde psychische Entwicklung unersetzbar. Leider ist unser schnelllebiges und auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtetes System da nicht unbedingt förderlich. Aber wir müssen uns dieser enormen Verantwortung über das spätere Leben unserer Kinder unbedingt bewusst sein, denn Menschenleben sind zu wertvoll, um sorglos mit ihnen umzugehen.

2 Antworten auf “Der unschätzbare Wert einer glücklichen Kindheit”

  1. An alle Eltern oder an alle die es vielleicht einmal werden wollen:
    Nehmt euch einmal Zeit für die Momente die wirklich wichtig sind in eurem Leben. Kein Job, keine Karriere, keine Affäre, keine Party kann so wunderschön und wichtig sein wie da Lebewesen dass durch euch geschaffen wurde.
    Es ist nun Teil dieser Welt, und das wichtigste, es ist Teil einer Welt die ihr nicht mehr erleben werdet. Dieses Kind wird Teil der Gesellschaft, welche sich um einander kümmern muss. Es muss sich eingliedern können in eine Welt, die ihr vermutlich nicht mehr so wie euer Nachfolger kennen lernen werdet.
    Schickt es nicht verzweifelt und alleine in diese Welt. Begleitet, und beschützt es auf diesem großen Weg! Denn jeder von uns hat das selbe verdient.
    Wenn du betroffen bist von einer solchen „familiären Verwahrlosung“. Wenn du keine oder zu wenig Liebe erfahren hast, oder dir etwas schlimmes zugestoßen ist:
    Du kannst genau diese Dinge nicht mehr rückgängig machen. Aber du kannst darauf aufbauen und zusehen dass diese Erlebnisse deinem Kind nicht widerfahren.

    Fazit für mich:
    Liebe, unterstütze, fördere, fordere, umarme, begleite und um alles in der Welt beschütze dein Kind. Wir sind die Generation, die es besser machen kann.
    Das sind unsere Nachfahren, sehen wir zu dass sie in eine gemeinsame tolle Zukunft starten können und wir unsere Kinder mit gutem Gewissen ziehen lassen können.

    Gefällt 1 Person

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