This is what depression looks like.

Kaum ist die Smalltalk-Frage „Wie geht‘s?“ im Alltag ausgesprochen, wandert der Fragenstellende schon weiter zum nächsten Gedanken. Eine ehrliche Antwort erwartet sich wohl kaum jemand, die oberflächliche Floskel ist nicht mehr als eine Höflichkeitsformel. Wie würde man auch mit einer ehrlichen Antwort umgehen? Ich selbst war ebenso schon perplex, wenn jemand mal etwas ausführlicher geantwortet und dem oberflächlichen Getue nicht auf den Leim gegangen ist. Im Nachhinein kamen Schuldgefühle und Scham in mir hoch – ich betrachte mich als sozialen Menschen und reflektiere mein Verhalten intensiv, bin aber von den Tücken, die ich in der heutigen Gesellschaft erkenne, auch nicht gefeit.
Trotzdem werde ich nicht aufgeben und weiterhin versuchen, es besser zu machen.

Denn auch ich selbst ärgere mich, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, und ich mir dabei aber bewusst bin, dass sich der andere nicht die Zeit nehmen würde, mir zuzuhören. Das macht traurig.

Ich habe diverse eigene Problemchen schon öfters offen angesprochen auf diesem Medium: Seit meiner Jugend leide ich an Depressionen, so wie schon meine Mutter vor mir. Meine Entwicklung war geprägt von unschönen Erfahrungen. Ich dachte, ich hätte das alles 2017 in den Griff bekommen, über die letzten Monaten musste ich mir allerdings eingestehen, dass dem wohl nicht so ist. Wieder stärker werdend ist die Hypersensibilität sowie das Bedürfnis, den Kopf in den Sand zu stecken ob der übergroß erscheinenden Herausforderungen des Lebens und der so kleinen, eigenen Bedeutung.

Mir ist allerdings klar, dass es auch wieder aufwärts gehen wird. Das geht es immer! Nach einem Tief kommt ein Hoch – und umgekehrt. Mal geht das schneller, mal braucht halt es etwas länger.

Beim Samariterbund habe ich als Konklusion meiner aktuellen gesundheitlichen Verschlechterung nun um eine Auflösung des Dienstverhältnisses angesucht. Was mir nicht einfach gefallen ist, da ich diese Tätigkeit sehr, sehr gerne ausübe.

Depressionen sind tückisch und komplex. Schenken wir unseren Mitmenschen mehr Zeit und Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Liebe. Mitleid brauche ich keines, nur eine ernsthafte Auseinandersetzung und ein Fallenlassen von Vorurteilen und Tabus wäre angenehm.

2 Antworten auf “This is what depression looks like.”

  1. Sehr guter, offener und ehrlicher Artikel. Ich finde das sehr mutig und gut. Und ich finde es immer schade, wenn ich Menschen frage wie es ihnen geht, dass ich nur ein dahingesagtes „Gut“ oder „Basst scho“ bekomme, denn ich frage im Normalfall nur die Menschen, deren Befinden mich auch tatsächlich interessiert. Leider liegt da wohl ein Missverständnis zwischen Absender und Empfänger vor.
    Ich wünsche dir die Kraft und ehrliche, gute Freunde, die für dich da sind!

    Liebe Grüße
    Norbert

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