Alkohol & Drogen – Politik

Wie im Blogbeitrag meiner Biografie versprochen, möchte ich in diesem Artikel – zumindest grob – auf meine politische Positionierung zu Suchtmitteln eingehen.

Grundsätzlich trete ich für Bildung und Aufklärung ein, Strafverfolgung und Verbote im privaten Bereich halte ich für wenig sinnvoll. Hier muss ich allerdings klarstellen: Das gilt nur solange niemand anderer mitgeschädigt wird – wie es z.B. beim Rauchen von nikotinhaltigen Zigaretten in Form von Passivrauchen der Fall sein kann. Beim Rauchen sehe ich ein Verbot in Gastronomie und öffentlichen (räumlich abgeschlossenen) Bereichen positiv – aufgrund der Fremdschädigung. Wenn Substanzen aus wissenschaftlicher Sicht klar eine schädigende Wirkung erzielen, sollte auch der Eigenkonsum nicht unbedingt gefördert werden, allerdings sollte dem Individuum ebensowenig die gänzliche Freiheit genommen werden, es trotzdem zu konsumieren.

Ganz klar bin ich im Standpunkt, dass Suchtmittel generell entkriminalisiert gehören. Ein gutes Beispiel für Argumente stellt z.B. Portugal dar:

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derStandard.at online, Userkommentar von Alexander Lehner am 16. August 2016

Auch sind die Anzahl der HIV- und Hepatitis-Neuansteckungen unter Drogensüchtigen sowie die Zahl der jährlichen Drogentoten (Überdosierung, Verunreinigung von Substanzen oder z.B. durch infektiöse Krankheiten – beim Teilen von Nadeln) extrem stark zurückgegangen. Die Zahl der Heroinabhängigen in Portugal hat sich von 100.000 auf 50.000 halbiert.

Eine Marihuanalegalisierung halte ich für überfällig – also auch für privaten Eigenkonsum.

Cannabis hat bewiesenermaßen viele positive Effekte auf die Gesundheit: bei Multipler Sklerose, bei Krebs sowie bei chronischen Schmerzen kann Cannabis tatsächlich helfen – v.a. wenn es um die Reduktion von Schmerzen oder Nebenwirkungen geht. Durch Konsum hervorgerufene Psychosen sind im Gegensatz zu anderen Substanzen selten und die durch regelmäßigen Konsum von Cannabis hervorgerufenen Veränderungen der geistigen Fähigkeiten – ja, die gibt es akut: Aufmerksamkeit, Gedächtnis – sind nach völliger Abstinenz wieder rückbildungsfähig. Die gesundheitlichen Risiken von Alkohol und Nikotin sind um Einiges höher als bei Marihuana.
Der Staat kann eine Menge an Einnahmen durch Besteuerung gewinnen. In Einrichtungen wie bspw. Apotheken sollte die kontrollierte Abgabe, in passender Dosierung und geprüfter, guter Qualität erfolgen – mit entsprechenden Rahmenbedingungen wie z.B. einem verpflichtenden Aufklärungsgespräch vor Erstkonsum oder Kauf einer neuen Substanz, kein Verkauf an Schwangere (denn hier kann sehr wohl die Entwicklung des Fötus gestört werden) sowie erst ab 18 Jahren. Kein Bedarf an Schwarzmarkt…

Auch für Alkohol halte ich eine Altersbegrenzung ab 18 Jahren für sinnvoll, da ein noch wachsendes Gehirn durchaus gestört werden kann in der Entwicklung. Für nikotinhaltige Zigaretten bin ich ebenso für eine Altersbegrenzung ab 18 Jahren.

Einige „Begleitmaßnahmen“ wie Psychotherapie auf Krankenkasse und intensive Aufklärung an Schulen über Risiken und Nebenwirkungen sowie akute Wirkung und Wirkweise von Drogen wären sehr wichtig umzusetzen – eine Legalisierung oder Entkriminalisierung alleine reicht nicht aus.
In meiner eigenen Biografie habe ich schon unterschiedliche Substanzen ausprobiert bzw. konsumiert. Deshalb bin ich mir auch aus eigener Erfahrung heraus bewusst, dass es sehr wohl Substanzen gibt, die sich auch negativ auswirken können – „schlechter Trip“. Da man aber Missbrauch durch Verbote allein ohnehin nicht aus der Gesellschaft verbannen kann, sollte man stattdessen eher darauf setzen, die negativen Aspekte der Thematik anzugehen. So vieles kann durch Aufklärung, ein sicheres Umfeld und wertschätzende Kommunikation erreicht werden. Wenn es einen Computer- und Hundeführerschein gibt, dann warum nicht auch einen Guide für bewussten und aufgeklärten Konsum von Substanzen wie Alkohol, Cannabis, Kokain, LSD u.ä.? „Wie konsumiere ich richtig, was muss ich beachten, was habe ich zu befürchten, was sind die Konsequenzen, will ich das wirklich, bin ich dafür gewappnet, wie leiste ich Erste Hilfe?“

So, und jetzt kommt’s:
Ich wäre sogar für eine Legalisierung von Kokain, Amphetaminen, LSD, Heroin usw. – zumindest aber für eine Entkriminalisierung. Alle Zahlen weltweit deuten darauf hin, dass eine repressive Haltung nur ein deutliches Mehr an Drogentoten bedeutet. Menschen für etwas zu bestrafen, mit dem sie ausschließlich sich selbst schaden, macht auch nicht so wirklich Sinn. Die illegale Produktion und Beschaffung von Drogen fördert Kriminalität massiv – gegen kriminelle Vereinigungen, die nationale Institutionen in Entwicklungsländern destabilisieren, kann nur durch Liberalisierung vorgegangen werden.

Viele Substanzen würden in reiner Form – also ohne (oft giftige) Streckmittel, die durch Dealer beigemischt werden -, einen Großteil der aus Studien bekannten negativen Nebenwirkungen verlieren. MDMA bspw. könnte sogar therapeutisch eingesetzt werden: mittels „Microdosing“ z.B. gegen Posttraumatische Belastungsstörungen. Die wissenschaftliche Forschung würde von einer Liberalisierung der rechtlichen Lage klar profitieren.


Die Materie ist recht komplex, der Beitrag soll einen groben Einblick in mein Denken bieten. Ich freue mich immer über Feedback!
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Das Beitragsbild stammt von Jirapong Pnngjiam auf Pixabay.

Versöhnung. Aussöhnung.

Niemand ist mehr an seine Eltern gekettet als ein Mensch, der sich von ihnen losgesagt und den Kontakt abgebrochen hat.

Als ich mit 16 Jahren von daheim in einer Nacht-und-Nebel-Aktion weglief, hatte ich innerlich mit der Vergangenheit abzuschließen versucht und wollte meine Eltern (Vater und Stiefmutter) quasi nie wieder sehen – so innerlich distanziert hatte ich mich von ihnen, so sehr war ich seelisch verletzt worden. Ich fühlte mich nicht wie ein Kind sich seinen Eltern gegenüber fühlen sollte: behütet, akzeptiert und geliebt.

So machte ich mich also auf in eine neue Welt und zog aus um ungelebte Freiheiten endlich auszuleben. Was ich dann wiederum leider extrem übertrieb – aber das habe ich bereits im vorherigen Blogbeitrag thematisiert.

Erst 2016/17 fand ich nach beinahe vier Jahren annähernder Funkstille wieder zurück zu ihnen. 2017 war ich auch sechs Wochen auf Reha, im Rahmen derer mir die psychologische Wichtigkeit der Aussöhnung mit den Eltern bewusst wurde. Anfang 2018 zog ich sogar wieder zurück zu ihnen (und meinem kleinen Bruder), wo ich deutlich merken konnte, dass mir doch noch ein paar Jahre in geschützter Umgebung unter den Fittichen von Bezugspersonen zu einer gesunden Entwicklung gefehlt hätten…

Meine Stiefmutter erkrante allerdings während meiner Abwesenheit an Krebs und litt ziemlich darunter. Recht bösartig und aggressiv wie er war, breitete er sich in ihrem Körper aus – Chemotherapien u.ä. ermöglichten ihr aber noch ein paar Jahre.

Ich bin sehr froh, dass ich ihr letztes Lebensjahr – sie starb zu Silvester 2018 – noch mit ihr teilen und mich mit ihr voll aussöhnen konnte. Durch diese Aussöhnung wurde ich viel gefestigter im Leben und ich bin im Nachhinein wirklich dankbar, dass sie stattgefunden hat. Erst am Ende merkt man oft, wie viel einem jemand bedeutet – soviel auch vorgefallen ist zwischen einander.

Auch mit meinem Vater bin ich inzwischen auf einer Ebene, die ein gutes Miteinander ermöglicht. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich immer versuche das Handeln anderer nachzuvollziehen anstatt einfach zu verurteilen – sei ihr Handeln noch so arg auf den ersten Blick. Dahinter steckt doch meist selbst eine verletzte, traumatisierte Seele, die erst zu dem geworden ist, das diese argen Handlungen setzt.

Und so kann ich nahezu jedem vergeben, wenn auch ihre Taten nicht komplett vergessen.

Meine Biografie. Meine Motivation.

Seit Jahren engagiere ich mich leidenschaftlich politisch. Um meine dahinterstehende Motivation verständlich zu machen, möchte ich in diesem Beitrag bewusst sehr offen auf meine Herkunft bzw. Biografie eingehen.

Am 20. Mai 1996 bin ich als Sohn eines sehr streng erzogenen Softwareentwicklers und einer alkoholkranken Poetin in Stockerau, Niederösterreich, zur Welt gekommen. Meine Mutter nahm zum Zeitpunkt meiner Geburt bereits seit mindestens sieben Jahren Antidepressiva ein, konnte ihrer Flucht in den Alkohol aber leider nicht Meisterin werden – auch während der Schwangerschaft nicht. Auch wenn es sich bei mir um ein Wunschkind handelte, fiel sie nach meiner Geburt noch dazu in eine schwere postpartale Depression.

Im Jahr 2000 verstarb meine Mutter im Alkoholkoma. Nach einiger Zeit bei meinen Großeltern mütterlicherseits zog ich für über ein Jahr zu den Eltern meines Vaters. Diese Zeit bedeutete für mich viel Schönes, wie z.B. einen großen Garten und ein Aufwachsen am Land, aber auch eine strenge Erziehung.

Kurz vor meinem Volksschuleintritt zog ich in eine kleine sozialpädagogische Wohngemeinschaft für traumatisierte Kinder und Jugendliche in Enzesfeld-Lindabrunn, die „WG Kinderlachen“ von Andreas Hirtl. Meinen Vater und meine Großeltern bekam ich nur abwechselnd an den Wochenenden zu Gesicht. Während dieser Zeit versuchte sich mein Vater mit einer neuen Partnerin eine Zukunft in Eichgraben aufzubauen. Jene Frau hatte allerdings großen Hass gegen meine leibliche Mutter, den sie gegen mich richtete. Psychoterror, aber auch vereinzelte, bis heute sehr gut in Erinnerung bleibende körperliche Übergriffe, prägten meine Besuche dort.

Im Alter von sieben Jahren kam ich zurück zu meinem Vater nach Wien, der inzwischen eine neue Lebensgefährtin gefunden hatte. Nachdem er sie 2004 heiratete, wurde sie offiziell zu meiner Stiefmutter.

Rückwirkend betrachtet bin ich meiner Stiefmutter zutiefst dankbar für ihre damalige Bereitschaft, mich in ihr Leben aufzunehmen. In vielen Situationen, das ist mir heute bewusst, ist sie wie eine Löwin für mich eingestanden und hat für mich gesorgt. Andererseits war es auch für sie etwas komplett Neues, plötzlich ein Kind zu haben, das quasi schon „angeknackst“ und im Alter von sieben Jahren „geliefert“ wird.
Denn „angeknackst“ war ich bereits recht stark, das ist mir heute auch klar. Bereits in der Volksschulzeit zeigte ich z.B. starkes ADHS auf, immer suchte ich überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit sowie Bestätigung, ein Schwarz-Weiß-Denken und eine fehlende Impulskontrolle waren auch schon vorhanden.

Mit der Zeit wurde die Beziehung zu meinem Vater und meiner Stiefmutter schwieriger, 2005 kam dann mein Halbbruder zur Welt. Meine Eltern wurden mir gegenüber strenger, gelegentlich kam es zu Ausrutschern physischer Natur, ich kam in die Pubertät. Die Situation und unsere Patchwork-Family – aus der vorangegangenen Beziehung meines Vaters kam eine Halbschwester dazu – war sicherlich für alle Beteiligten nicht einfach. Als Kind bzw. Jugendlicher fühlte ich mich in meiner Haut und auch zuhause allerdings immer unwohler.
Als ich mich dann mit ca. 14 Jahren outete und meine Homosexualität offenbarte, die vor allem bei meinem Vater gar nicht gut ankam, wurden die Streits immer häufiger und ich rutschte in eine erste diagnostizierte Depression.

Im Alter von 16 Jahren entschied ich mich zur Flucht und packte meinen Koffer. In einer Herbstnacht wartete ich bis meine Eltern eingeschlafen waren und lief davon. Die erste Nacht verbrachte ich bei Regen im Rathauspark auf einer Parkbank, am nächsten Morgen machte ich mich mit seelischem Beistand einer Schulfreundin zum Krisenzentrum für Jugendliche in Wien-Simmering auf und verbrachte dort einen Monat in Obsorge des Jugendamtes. In Folge zog ich nach Verhandlungen mit meinem Vater zu meinen Großeltern mütterlicherseits und brach den Kontakt zur restlichen Familie ab.

Ein neues Leben begann für mich: Ich besuchte meine ersten Parties, ging aus, trank Alkohol – meine schulischen Erfolge rasselten dagegen in den Keller. Ich konnte mit den neugewonnenen Freiheiten nicht umgehen und versuchte nachzuholen, was ich aus meiner Sicht bis dahin verpasst hatte.
Nach dem Gymnasialbesuch der HIB 3 (Boerhaavegasse, 1030 Wien) hatte ich in der Oberstufe auf die BAKIP 8 (Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik, 1080 Wien) gewechselt – diese brach ich nun nach drei von fünf Jahren ab und startete stattdessen die Lehre zum Buchhändler & Einzelhandelskaufmann. Nach einem Jahr bei meinen Großeltern – ich war inzwischen 17 Jahre alt -, zog ich als Untermieter in eine Wohnung eines Bekannten und war fortan nahezu auf mich alleine gestellt. Ich tauchte in das schwule Nachtleben ein, engagierte mich stark bei der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien und organisierte unter anderem den Wiener Regenbogenball und die Regenbogenparade mit. Mein Fortgehen nahm immer mehr Zeit in Anspruch und als sich schlussendlich zum Alkohol noch andere Substanzen wie Kokain gesellten, brach ich auch noch meine Ausbildung nach zwei Jahren ab.

Besonders zwischen 2014 und 2017 (18-21 Jahre) hatte ich mit großer Einsamkeit, fehlender Impulskontrolle und starken Depressionen zu kämpfen, die einen Teufelskreis befeuerten: Ich ging viel aus und versuchte die Einsamkeit sowie wohl die fehlende Liebe in meiner Kindheit, den tief sitzenden Schmerz (wie schon meine Mutter vor mir) mit diversen Substanzen zu verdrängen. Ich hatte kaum Freunde, dafür sehr viele oberflächliche Kontakte, hatte finanzielle Probleme und war sehr launisch. Vermutlich aus dem vielen Alkohol- und Drogenkonsum hervorgehend entwickelte ich noch dazu eine Panikstörung (Panikattacken), die mir zu schaffen machte.

Im Oktober 2016 fiel ich nach langem Feiern in eine starke Psychose und wurde via Rettung auf die psychiatrische Abteilung des Otto-Wagner-Spitals („Baumgartner Höhe“) eingeliefert. Mir wurde auf die Schnelle eine bipolare affektive Störung diagnostiziert und ich bekam nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt Medikamente mit auf den Weg. Zusätzlich besuchte ich fortan regelmäßig den Psychosozialen Dienst (PSD), wo mir eine Psychiaterin zu helfen versuchte.

Nachdem ich allerdings bis März 2017 noch zwei weitere Male (vermutlich lebensrettend) mit der Rettung auf die Baumgartner Höhe fuhr, entschied ich mich dazu, eine sechswöchige psychiatrische Reha zu besuchen. Im Klinikum Hollenburg wurde mir während dieser eine neue Diagnose umgehängt, in der ich mich tatsächlich auch selbst wiederfinde: Ich habe eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, auch bekannt als Borderline.

Durch die Rehabilitation in Hollenburg sowie auch Literatur wie z.B. das Buch Borderline bewältigen von Heinz-Peter Röhr lernte ich mich und meine, mir über die Jahre durch traumatische Erfahrungen angeeigneten Abwehrmechanismen besser kennen.
Borderline ist eine sehr komplexe psychische Erkrankung, die leider nicht so einfach mit Medikamenten behandelt bzw. geheilt werden kann. Mit einer Kombination aus medikamentöser sowie Psychotherapie und Psychoedukation lässt es sich allerdings weitgehend gut mit ihr leben. Mit der Zeit habe ich einige Strategien entwickelt und kann heute teilweise präventiv handeln, um gewisse negative Aspekte der Erkrankung zu vermeiden.

Immer funktioniert das allerdings nicht. Erst kürzlich musste ich das wieder feststellen. Aber so ist das Leben – und nach einem Tief kommt auch immer wieder ein Hoch.


Was hat meine Biografie nun mit meiner politischen Motivation zu tun?

Unsere Erfahrungen prägen uns. Besonders die (frühkindlichen) Kindheitserlebnisse haben großen Einfluss auf das spätere Leben eines Menschen. Charakter und Persönlichkeit werden durch das Zusammenspiel von Genetik, eigenen Erfahrungen sowie Umwelteinflüssen wie Eltern, Erziehung u.ä. geformt.

Ich hatte eine sehr turbulente Kindheit, die ich als überwiegend eher unangenehm bezeichnen würde. Mit den Folgen der fehlenden Liebe und der Abwesenheit echter Bezugspersonen, zu denen ich Vertrauen aufbauen konnte, habe ich noch heute zu kämpfen – und werde ich wohl auch noch länger haben.

Gleichzeitig bin ich durch meine Erfahrungen aber zu jemanden herangewachsen, der einen sehr stark ausgeprägten Gemeinschafts- und Gerechtigkeitssinn sein Eigen nennen darf. Ich bin ein sehr sensibler Mensch und versuche mein Bestmögliches, die Entscheidungen und das Verhalten anderer nachzuvollziehen, bevor ich Urteile fälle. Empathie hat bei mir höchsten Stellenwert.

Zukünftigen und heranwachsenden Generationen möchte ich ähnliche Erfahrungen wie die meinen gerne ersparen. Und als Mitglied vermeintlicher Randgruppen wie LGBTIQ-Personen oder Menschen mit psychischen Erkrankungen kann ich Diskriminierungen oder Ungerechtigkeiten nicht mitansehen, Zivilcourage und Hilfsbereitschaft versuche ich zu leben.

Wenn ich mich für eine Sache engagiere, dann tue ich das mit voller Überzeugung – halbe Sachen gibt’s bei mir nicht: Ganz oder gar nicht! Meine ehrliche Motivation versuche ich immer sehr offen zu kommunizieren, Authentizität ist mir wichtig. Mir würde deshalb auch nie einfallen, mich selbst oder die Stationen meines Lebens zu verleugnen, selbst wenn es sich um (leider) strafrechtlich relevante Themen wie Drogenkonsum handelt.


Mehr Informationen über die Borderline-Persönlichkeitsstörung werde ich versuchen, in einem eigenen Beitrag zu vermitteln. Auch Erläuterungen zu politischen Standpunkten oder Themenbereichen – wie z.B. mein Eintreten für eine liberalere Drogenpolitik – folgen laufend.

Das Beitragsbild wurde von Daniel Kleinfercher fotografiert.

Der dunkle Kristall

Im vorherigen Beitrag schnitt ich kurz die furchteinflößende Wirkung des Filmes „Der dunkle Kristall“ an, die er auf mich in meiner Kindheit hatte. Bereits 1982 erschienen handelt es sich dabei um den ersten Live-Action-Spielfilm, in dem ausschließlich Puppen in der Handlung zu sehen sind. Kreiert wurde er von den Muppets-Erfindern Jim Henson und Franz Oz. Zweiterer lenkte auch die weltbekannte Figur des Yoda aus Star Wars.
Nun kam 2019 eine Prequel-Serie heraus, die auch auf Netflix verfügbar ist. Einige Folgen davon habe ich mir nach meiner gestrigen Entdeckung bereits gegeben.

Meine Großeltern väterlicherseits, bei denen ich zum Teil aufwuchs, hatten daheim einen großen Schrank voller VHS-Kassetten mit aufgenommenen Filmen. Ab und zu setzen wir uns am Abend gemeinsam vor den Fernseher um uns einen Streifen anzusehen. Diese Abende habe ich heute noch in schöner Erinnerung.
Es gab aber auch Filme, die mich eher schaudern ließen – so einer war dieser hier: „Der dunkle Kristall“ hat gleichermaßen Faszination wie Angst in mir ausgelöst. Die dunkle Welt ohne Menschen, aber mit genug anderen schaurigen Gestalten darin ist nicht ohne für ein Kind. Rückwirkend betrachtet hätte ich mir das selbst auch nicht zugemutet, vor allem, da ich ohnehin schon unter regelmäßigen Albträumen litt.

Allen Erwachsenen hingegen kann ich den ursprünglichen Kultfilm nur wärmstens ans Herz legen, für seine Zeit stellte er ein Meisterwerk dar. Aber auch prominent besetzt war er: u.a. Sigourney Weaver und Helena Bonham-Carter liehen den Puppen ihre Stimmen. Die Handlung ist mitunter inspiriert von alten, düsteren Grimm-Märchen, dem Designer der Charaktere kamen seine Ideen dagegen z.B. beim Hummer-Essen.

Den Originalfilm lasse ich hier mit der Story mal außen vor, auf die aktuelle Serie möchte ich jedoch noch etwas eingehen:

Worum geht es kurz zusammengefasst? (Achtung, Spoiler!) „Der dunkle Kristall“ und die Prequel-Serie „Ära des Widerstands“ spielen in der Welt Thra – und die liegt im Sterben. Die Balance ist aus dem Gleichgewicht geraten und „die Verdüsterung“ droht das Leben auf dem Planeten zu verschlingen. Die Skekse, große greifvogelartige Kreaturen, die von der weisen Naturmutter Aughra vor Ewigkeiten damit beauftragt wurden, den namensgebenden Kristall der Wahrheit, Sinnbild für alles Leben auf Thra, zu bewachen, stecken dahinter. Sie vertuschen den Verfall der Welt jedoch vor ihren treu ergebenen Verbündeten, den Gelflingen, und versuchen sich stattdessen ewiges Leben zu verschaffen, indem sie mithilfe des Kristalls anderen deren Lebensessenz aussaugen.
Der Gelfling-Soldat Rian kommt ihnen jedoch auf die Spuren, woraufhin er gejagt wird, er es aber schafft, ein paar MitstreiterInnen im Kampf Gut gegen Böse zu finden…

In der Serie spricht meine persönliche Schauspiellegende Mark Hamill (aka Luke Skywalker aus Star Wars) eine Rolle – die des Gelehrten SkekTek -, außerdem sind Taron Egerton und Donna Kimball mit dabei. Auf CGI wird bewusst verzichtet, das Design der Puppen wurde 1:1 übernommen: wunderbar hässlich würde ich meinen. Die Prequel-Serie erweitert das Universum des Hauptfilms sehr positiv und verleiht den darin vertretenen Lebewesen mehr Tiefe und Hintergrund, das gefällt mir. Bei den Gelflingen muss ich ein wenig an die Hobbits aus Herr der Ringe denken, auch sie beweisen trotz ihrer geringeren Körpergröße großen Mut und Durchsetzungsvermögen – und stellen sich im Rahmen einer großen Abenteuerreise gegen die Unterdrücker von oben.

Zu Beginn, gerade wenn man den ursprünglichen Spielfilm von 1982 nicht kennt, mag einem das Ganze etwas befremdlich vorkommen. Bleibt man jedoch standhaft und lässt die Figuren auf einen wirken, dann taucht man schon bald in eine interessante Fantasywelt ein, die einige poetische und mystische Momente zu bieten hat. Ganz ohne Albträume hoffentlich.

Wish not for treasures you can hold
No gleaming jewels, bright and cold
For finer still than pearl or gold
The treasure of a tale well told.

Gedicht der Gelflinge

Link zum Trailer des Hauptfilms
Link zum Trailer der Prequel-Serie

Bild: Netflix

Das letzte Einhorn

„Das letzte Einhorn“ (OT: „The Last Unicorn“) ist ein, für meine Begriffe legendärer Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1982, der auf dem gleichnamigen Roman von Peter S. Beagle basiert. Man bekommt ihn alljährlich am 24. Dezember im TV zu sehen: Ein Märchen für (ältere) Kinder, das aber Erwachsene ebenso begeistert, da es doch wirklich viel zu bieten hat. Die Filmversion, übrigens im Original eingesprochen von Schauspielgrößen wie Christopher Lee, Angela Lansbury, Jeff Bridges und Mia Farrow, hält sich in den Dialogen oft haargenau an die Buchvorlage, die Story wurde jedoch um einige Aspekte gekürzt. Auch erwähnenswert: Die wirklich berührende Filmmusik stammt von der Band America – und die Animationen aus der Feder des Studios Topcraft, das sich später zum international bekannten Studio Ghibli („Chihiros Reise ins Zauberland“, „Das wandelnde Schloss“) entwickelte.

Worum geht es kurz zusammengefasst? (Achtung, Spoiler!) „Das letzte Einhorn“ ist die Geschichte eines Einhorns, das sich aufmacht, seine verschwundenen Artgenossen zu finden; ein Ungeheuer, der Rote Stier des König Haggard, hat sie aus der Welt vertrieben. Unterwegs tut sich das letzte Einhorn mit dem Jungzauberer Schmendrick und der Räubersbraut Molly Grue zusammen und wird zwischendurch zu seinem Schutz kurzfristig selbst in eine Menschenfrau verwandelt. Am Ende stellt es sich dem Stier im Kampf und bringt die Einhörner in die Welt zurück.

Trotz seiner teils kitschigen Bilder mutet der Film den kindlichen ZuseherInnen mitunter Einiges zu; bei mir hat sich das „Das letzte Einhorn“ rückblickend nicht nur in positiver Erinnerung eingeprägt, übertroffen nur von, für mich damals noch furchteinflößenderen Klassikern wie „Der dunkle Kristall“. Themen wie Tod, Einsamkeit und Depressionen werden behandelt, ebenso steckt der Film voller Einsichten über das Leben der Erwachsenen. So ziemlich alle Figuren kämpfen mit der Traurigkeit, König Haggard spricht es sogar aus: Nichts auf der Welt bereitet ihm mehr Freude!

Eine Figur berührt mich jedoch besonders: Molly Grue, die Räubersfrau, die im ersten Augenblick recht forsch und robust rüberkommt, sich dann aber doch als sehr sensible und empathische Persönlichkeit entpuppt. Im Buch kann man die Charaktertiefe noch viel besser ergründen, aber auch im Film erkennt man sie oberflächlich.

Molly: No, it can’t be. Can it be? Where have you been? Where have you been? Damn you! Where have you been?
Schmendrick: Don’t you talk to her that way!
Unicorn: I’m here now.
Molly: And where were you twenty years ago? Ten years ago? Where were you when I was new? When I was one of those innocent young maidens you always come to? How dare you! How dare you come to me now, when I am this!
[Weeps]
Schmendrick: Can you really see her? Do you know what she is?
Molly: If you had been waiting to see a unicorn, as long as I have…
Schmendrick: She’s the last unicorn in the world.
Molly: It would be the last unicorn that came to Molly Grue. It’s all right, I forgive you. 

Dialog im Film, als Molly Grue das erste Mal auf das letzte Einhorn trifft

Wenn man nun als Kind diese Stelle im Film sieht, dann bedeuten einem Mollys Worte nicht viel. Als Erwachsener aber, der schon viel gesehen hat im Leben, kommt man umso mehr auf deren Grund. Als Kind glaubt man noch an vieles, man sieht mit dem Herzen und hat Hoffnung an das Leben – erkennt nicht die Härte des Vorausliegenden. Wenn aber die Zeit vergeht und ein Tief nach dem anderen einschlägt, man zu kämpfen hat, dann verfliegt die so reine Sicht aufs Leben rasch und man verliert den Glauben. (an Einhörner?)
Molly trauert um das Leben, das sie hätte haben können. Vielleicht nicht unbedingt realistisch, was sie sich erträumt hatte, aber wohl besser, als das, was ihr tatsächlich widerfahren ist, zumindest bis zu dem Zeitpunkt des Treffens mit dem Einhorn. Sie fühlt sich „verbraucht“ – von Männern, von den Umständen, vom Leben? Ihre Unschuld ist fort und sie kann es nicht rückgängig machen. Also bündeln sich all ihr Schmerz und ihre Wut, als sie das Einhorn anschreit.

Aber Molly Grue ist auch voller Fürsorge und Gutherzigkeit. Sie treibt die Gefährten auf ihrer Quest an und stellt die eigenen Probleme hinten an, so viele sie auch hat. Sie ist Motivatorin und Mutmacherin, obwohl sie selbst nicht ohne Leiden ist. Molly beweist wahre Größe und Stärke: Sie ist die eigentliche Heldin der Story für mich.

Link zum Trailer

Das letzte Einhorn und Molly Grue

Die Bilder im Beitrag gehören Lions Gate Entertainment.

„Verdammt starke Liebe“ von Lutz van Dijk

»Mit wärmsten Empfehlungen« ist eine Rubrik in den Katalogen der Buchhandlung Löwenherz, in denen ich mehrmals Bücher rezensiert habe – nun auch hier verfügbar. Folgende Rezension ist 2015 erstmals erschienen, vorgestern jährte sich die eingangs erwähnte Befreiung schon zum 75. Mal.

Nicht zuletzt der 70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung am 27. Januar hat mein grundsätzlich ohnehin vorhandenes großes Interesse an der NS-Zeit stark angesprochen und mich dazu bewegt, mir sowohl einige Filme über diese Zeit anzusehen als auch mich tiefer in die Materie einzulesen. Ein Buch, das mir dabei besonders ins Auge gesprungen ist, ist »Verdammt starke Liebe« von Lutz van Dijk, mittlerweile ein Klassiker, in dem es um eine wahre Geschichte geht. Nach Filmen wie »Jakob der Lügner« und »Der Pianist« erschien mir der Titel besonders passend.

Stefan K., der Protagonist, ist ein zu Anfang des Buches 16-jähriger Pole, der zusammen mit seinen Eltern, seinem etwas älteren Bruder Mikolaj, zu dem er ein sehr enges Verhältnis pflegt, und seinen weiteren drei Geschwistern, über die man im Buch kaum etwas erfährt, in eher ärmlichen Verhältnissen in Torun lebt. Die Handlung beginnt im Jahr 1939, Deutschland hat gerade Polen überfallen und Stefan, der eigentlich voller Freude das Musikgymnasium besuchen will, muss sich eine Lehrstelle suchen, die er auch ziemlich schnell in einer Bäckerei findet. Der Vater muss als Soldat an der Front herhalten, die Mutter derweil die Rolle der starken Hausfrau erfüllen. Mikolaj ist rebellischer als Stefan und möchte die wachsende Unterdrückung durch die nazi-deutsche Besetzung nicht so einfach hinnehmen; er freundet sich später mit Widerständlern an. Er streitet diesbezüglich auch des Öfteren mit Stefan, weil dieser als begeisterter Sänger in einem Theater auftritt, welches, so meint Mikolaj, ja nur von Deutschen besucht werden würde. Als Stefan dann eines Tages einen österreichischen Wehrmachtssoldaten kennenlernt und sich plötzlich ganz neue Gefühle in ihm regen, die er nur von Erzählungen hinter vorgehaltener Hand kennt, sieht er sich in einer Zwickmühle. Einerseits beginnt er relativ schnell zu begreifen, was er da empfindet, nämlich, dass er wohl homosexuell ist und damit eigentlich auch gar kein Problem hat; andererseits fürchtet er aber den Spott und die Übergriffe der anderen – noch dazu wenn er seinem Bruder die Liebe zu einem Nazi offenbaren müsste. Trotzdem fangen Stefan und Willi G., der etwa Mitte zwanzig zu sein scheint und die Gefühle für Stefan erwidert, heimlich eine Beziehung an und treffen sich beinahe täglich abends in einem scheinbar sicheren Versteck, einer alten Scheune. Nachdem Willi anfängt, Stefan Geschenke zu machen – bei denen es sich hauptsächlich um Gebrauchsgegenstände wie neue Stiefel oder einen Gasbrenner handelt – und dessen Bruder es sehr stört, dass Stefan »von seinen deutschen Freunden« überhaupt etwas geschenkt bekommt, wird die Beziehung zwischen den beiden Geschwistern zunehmend angespannt. Nach mehreren Monaten des gemeinsamen Glücks wird Willi plötzlich an die Front versetzt und Stefan fühlt sich wieder alleine. In seiner Einsamkeit schreibt er Willi über den Armee-Postverteiler einen Brief, in dem er ihm seine Treue beteuert – eine genaue Adresse hat er nicht. Diese Zeilen sind es, die ihm später zum Verhängnis werden: Eines Tages wird Stefan zum Verhör ins Gestapo-Hauptquartier in Warschau vorgeladen; schnell wird ihm sein Fehler bewusst, im Angesicht der strengen Kontrollen gerade des Militärs einen solch heikel formulierten Brief zu versenden. Der 17-jährige Stefan erlebt Gewalt und Folter, Hunger und Durst und wird schließlich nach kurzem Gerichtsprozess nach § 175 wegen homosexueller Handlungen mit Männern verurteilt und in ein Gefängnis verfrachtet. Bis zum Kriegsende und seiner riskanten Flucht kommt er in verschiedene Konzentrationslager des besetzten Polens. Von seiner ersten großen Liebe hört Stefan nie wieder etwas, die Ungewissheit, was mit Willi geschah, verfolgt ihn sein ganzes Leben.

Im realen Leben hieß »Stefan K.« Stefan T. Kosinski und lebte bis zu seinem Lebensende im stalinistischen und streng katholischen Polen, seine Homosexualität versteckte er. Über Lutz van Dijk erhielt er erstmals ein Sprachrohr, er hoffte, jungen Menschen Mut machen zu können und vom Staat endlich Entschädigung für seine erlittenen seelischen wie körperlichen Verletzungen zu bekommen. Bis zu seinem Tod 2003 litt Stefan an Folgen seiner Haft, er starb mit 78 Jahren nach einigen Monaten schwerer Krankheit in Warschau. »Willi G.« alias Wilhelm Götz kam vermutlich schon 1945 an der Front um.
»Verdammt starke Liebe« ist von meinen bisherigen Empfehlungen sprachlich sicherlich das am einfachsten zu bewältigende Werk, mit 167 Seiten liest es sich recht flott und die Handlung reißt einen mit. Gleichzeitig ist der Inhalt aber auch sehr berührend, nachdem ich fertig war, war meine Betroffenheit groß und ich recherchierte erst einmal mehr über Stefan und sein Leben, bevor ich mich an diesen Katalogtext setzte.
Wie eingangs schon erwähnt habe ich großes Interesse am Thema des Nationalsozialismus, insbesondere am Holocaust und der Verfolgung Homosexueller. Würde ich Geschichte studieren, wäre das gemeinsam mit der Antike und dem Mittelalter mein Spezialgebiet. Dieses Jahr werde ich auch versuchen, zusammen mit der Jugendgruppe der HOSI Wien auf Exkursion nach Mauthausen zu fahren. Im März erscheint neben der Neuauflage von »Verdammt starke Liebe« der über viele Jahre geführte Briefwechsel zwischen Autor Lutz van Dijk und Stefan T. Kosinski im Querverlag unter dem Titel »Endlich den Mut …« – ich durfte schon in die Druckfahnen schauen und kann diese Neuerscheinung ebenso wie »Verdammt starke Liebe« empfehlen.

Link zum Buch inkl. Bestellmöglichkeit bei Löwenherz

Ich habe ein Gewerbe angemeldet.

Seit 2013 bin ich in der Wiener Adabei- und Eventszene unterwegs. Begonnen habe ich als Hobbyfotograf, später durch die enge Freundschaft zu Promi-Designer Nhut La Hong durfte ich selbst in die österreichische Seitenblicke-Gesellschaft eintauchen, durch die Mitorganisation der Regenbogenparade und diverser Bälle wurden weitere Kontakte geknüpft. Gemeinsam mit meinem langjährigen Wegbegleiter Daniel Kleinfercher habe ich viele Erfahrungen im Influencer- und Bloggerbereich gesammelt, mein politisches Engagement hat mir die tiefgehenderen Einblicke ins Leben erlaubt.

Nun habe ich endlich ein eigenes Gewerbe – Werbeagentur – angemeldet und darf zusammen mit starken Verbündeten auf eigene Rechnung loslegen. Viele Ideen schweben mir vor, einige davon werden sich hoffentlich auch umsetzen lassen. Ich freue mich auf die kommende Zeit!

Mehr Informationen findet ihr unter www.dorianrammer.at

Professionelles Hilfsangebot bei psychischen Krisen

Services wie den Psychosozialen Dienst (PSD) Wien kann ich jedem empfehlen, dem es gerade psychisch nicht so gut geht und der Beratung, Hilfestellung und Unterstützung für schwer zu bewältigende Zeiten benötigt.

Auch die Wiener Krankenhäuser inklusive ihren psychiatrischen Ambulanzen und Stationen sind verlässliche und vertrauenswürdige Partner im Prozess der Gesundung. Sollte es einmal gar nicht mehr gehen, dann ist der Griff zum Telefon und die Wahl des Rettungsnotrufes 144 angesagt – ein stationärer Aufenthalt um die akuten Bedürfnisse zu befriedigen rettet Leben und ist nichts, wofür man sich schämen muss.

Ich freue mich, dass ich diesmal keinen dieser Schritte setzen muss(te), möchte aber das Angebot der Stadt Wien wirklich jedem ans Herz legen, der nicht mehr weiter weiß. Handelt es sich um keine dringliche Problematik, dann ist es vielleicht auch ausreichend, sich einen Termin bei einem Psychiater und/oder einem Psychotherapeuten auszumachen: Eine passende medikamentöse Einstellung sowie eine Gesprächstherapie können viel Gutes bewirken.

Das Anvertrauen an den engen Freundeskreis kann ähnlich befreiend wirken und dabei helfen, Lösungen zu finden oder professionelle Hilfe zu organisieren. Ich stelle mich hier übrigens ebenso einmal mehr zur Verfügung und biete mein offenes Ohr an!

Ansonsten:
PSD / Psychiatrische Soforthilfe —> 01 31330
Telefonseelsorge —> 142
Rat auf Draht —> 147
Rettung —> 144

Ich habe alle der angegebenen Nummern in der Vergangenheit bereits genutzt und kann nur Positives berichten. („Rat auf Draht“ ist ein Krisennotruf speziell für Kinder und Jugendliche; die Nummer des PSD gilt nur für Wien.)

„Der letzte Krupp – Arndt von Bohlen und Halbach“ von Hanns-Bruno Kammertöns

»Mit wärmsten Empfehlungen« ist eine Rubrik in den Katalogen der Buchhandlung Löwenherz, in denen ich mehrmals Bücher rezensiert habe – nun auch hier verfügbar:

»Hart wie Kruppstahl« – dieser Teil der schrecklichen Hitler-Fantasie ist so ziemlich das Einzige, was ich bis vor kurzem mit dem Namen »Krupp« verbunden habe. Als ich jedoch die Biografie über das schwule schwarze Schaf einer so streng konservativ gefärbten Familie entdeckte, tat sich Interesse auf.

»Der letzte Krupp – Arndt von Bohlen und Halbach« von Hanns-Bruno Kammertöns ist in zwei Teile aufgegliedert und bietet einen breiten Überblick über eine deutsche Großindustriellenfamilie, einer über 150 Jahre währenden Dynastie, die das, was in Amerika erst später mit dem uns so geläufigen Ausdruck »American Dream« bezeichnet wurde, bereits im Europa der industriellen Revolution verwirklichte. Das Besondere dieser Biografie ist jedenfalls der Zugang des Autors, er ist an in die Tiefe gehenden Schilderungen der Persönlichkeiten interessiert; es handelt sich hier eindeutig nicht um eine knappe, streng chronologisch aufgebaute Abhandlung der Familiengeschichte.
Im ersten Teil wird die Entwicklung von den Betreibern einer kleinen Gussstahlhütte bis hin zu fast selbstverständlichen Beziehungen der Krupps mit Regierungen und Hochadel geschildert. Dabei beschäftigt sich der Autor immer eingehend mit den einzelnen Personen und deren Privatleben, niemals ist die Darstellung langatmig herunter gerattert. Auf den eigentlichen Protagonisten Arndt wird erst im zweiten Teil eingegangen, sein Leben wird ausführlicher als jene seiner Vorgänger erzählt: Der Vater versuchte den Sohn zu Selbstständigkeit und Stärke zu erziehen, immer wenn Arndt sich in einem Internat als vermeintlich schwacher Außenseiter erwies, steckte ihn sein Vater Alfried in ein anderes. Dadurch verbrachte Arndt eine ziemlich triste Kindheit – was ihn von seinen Vorfahren aber nicht wirklich unterschied: Die erstgeborenen Familienmitglieder (nicht nur die Söhne, auch Arndts Großmutter Bertha ist hier einzureihen) waren stets von Geburt streng im Blick auf das künftige Erbe erzogen worden. Dass Arndt die Last der Firmenführung erspart bleiben sollte, wusste während seiner vorbereitenden Erziehung noch niemand.
Seine Homosexualität kommt erst gegen Ende des Buches zusammen mit seinem maßlosen Lebensstil und seinem Hang zur Verschwendung dezidiert zur Sprache – schon Arndts Großvater Friedrich war schwul, doch erst dem letzten Krupp sollte es gelingen, seine Sexualität nahezu offen auszuleben. Einen großen Teil der biografischen Darstellung nimmt auch die Beziehung zu seiner Ehefrau Hetty ein, der er nicht aus Leidenschaft, aber aufgrund großer Sympathie ein Leben ohne finanzielle Sorgen schenken wollte.
Arndt verzichtete schließlich auf Betreiben seines Vaters (dessen Gründe nicht ganz eindeutig gewesen zu sein scheinen) darauf, als Erbe die Firma weiter zu führen und zu übernehmen, im Gegenzug bekam er für diesen Erbverzicht eine stattliche Rente, weshalb er oft als jüngster Frührentner Deutschlands bezeichnet wurde.

Im Gegensatz zu anderen meiner Empfehlungen ist die Sprache hier sehr verständlich gehalten, es kommen nur selten Fremdwörter vor und mit insgesamt 247 Seiten ist die gleichwohl ausführliche Darstellung nicht übermäßig lang; die wichtigen Passagen werden außerdem immer wieder mal in Erinnerung gerufen. Zur besseren Veranschaulichung sind einige Bilder beigegeben, was ich beim Lesen eine sehr eindrucksvolle Ergänzung fand.
Ich bin sicherlich jemand, der gerne zurückblickt und sowohl aus der eigenen Vergangenheit, als auch aus derer von anderen, lernt. Aber nicht nur deshalb gefällt mir diese Biografie so gut. Ich kann mich auch mit dem Inhalt identifizieren, denn zumindest die konservative Erziehung habe ich auch teilweise erfahren; meine Eltern waren genauso wie jene im Buch immer darauf bedacht, einen willensstarken und durchsetzungsfähigen Mann heranzuziehen – oft leider zu sehr auf ihr Ziel fokussiert als auf den Menschen mit Persönlichkeit, eigenem Denken und eigenen Vorstellungen.

Link zum Buch inkl. Bestellmöglichkeit bei Löwenherz

Reden hilft.

Und mir hilft ganz besonders das Schreiben.

2017 war ich ja bereits auf Reha und dachte, dort weitgehend mit der Vergangenheit abgeschlossen zu haben. Meine Panikattacken habe ich in Folge tatsächlich abgelegt. Ich hatte dafür zwar dafür die komplexe Diagnose „Borderline“ umgehängt bekommen, war aber auch mit mehreren Strategien auf einen guten Weg geschickt worden.

Leider ist das alles aber doch nicht ganz so einfach, das Leben ist fragil und der menschliche Körper und seine Psyche sind besonders komplex: Depressionen und antrainierte Abwehrmechanismen der Psyche können immer wieder auftauchen, so tief verwurzelt sind sie wohl.

Dass es die Möglichkeit des psychischen Krankenstandes gibt, ist sehr wichtig – nicht zuletzt aufgrund meines eigenes persönlichen Bezuges habe ich mich deswegen vor Kurzem sehr geärgert über die Pläne der Umgestaltung der Krankenstands-Regelungen. Ich spreche hier freiwillig öffentlich über meine psychische Thematik; anderen aufzuzwingen, dass sie ihre Krankheitsgeschichte dem Arbeitgeber gegenüber offenlegen müssen, das wäre allerdings fatal: Denn wie viele Chefs gibt es da draußen, die vorurteilend mit so etwas umgehen würden bzw. wo der Arbeitnehmer gemobbt werden würde? Zu unrecht, denn Menschen wie ich, das möchte ich mal so selbstsicher sagen, sind nicht weniger wert: Wir haben auch unsere besonderen Stärken.

Schon seit Langem ist mir Mental Health ein großes Anliegen, dem ich mich auch gerne politisch mehr widmen würde, wenn ich wieder fit bin. Mit meinen Offenlegungen und Berichten möchte ich das Tabu brechen und Betroffenen im Umfeld zeigen, dass sie nicht alleine sind. Psychische Probleme sind viel geläufiger als man vielleicht denkt – und trotzdem bringt das Thema noch sehr viel Stigmatisierung mit sich. Sehr gefreut habe ich mich deshalb über die vielen netten Kommentare und Nachrichten als Reaktion auf mein gestriges Posting.

Danke euch!