Empathie – Mitleid – Mitgefühl

Mitleiden, mitfühlen, empathisch handeln: Drei eigentlich verschiedene Optionen, die doch sehr oft in einen Topf miteinander geworfen werden.

Empathie ist die Basis für die zwei folgenden Unterscheidungen: die Fähigkeit – aber auch die grundsätzliche Bereitschaft -, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen. Empathie ist die proaktive Herangehensweise, mit dem Gegenüber auf einer Ebene mitzuschwingen und dessen Situation verstehen oder erfühlen zu wollen, aber auch zu können.
Einfühlungsvermögen ist wichtig – gerade in der immer hektischer, technologischer und distanzierter werdenden Welt von heute braucht es ein bewusstes Verständnis für die Mitmenschen. Empathie kann aber auch zu viel werden und zum Burn-Out führen – z.B. bei MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen auf der Onkologie.

Mitleid ist durch und durch mit negativen Emotionen besetzt. Mit einer Person mitzuleiden bedeutet, sich mit ihren Schmerzen zu verbinden, sich selbst in dieselbe Situation zu versetzen und die Gefühle 1:1 zu übernehmen. Oder man stellt sich über den anderen, wenn auch unbewusst, bewertet die Situation und befindet sie für bedauernswert. Mitleid hilft nicht – es schafft keinen positiven Horizont, weder für sich selbst, noch für den anderen.

Mitgefühl ist objektiver und ehrlicher: Die Situation des anderen wird nicht von oben herab bewertet, sondern neutral analysiert. Der Fokus liegt weniger darauf, den anderen für bedauernswert zu erachten, sondern vielmehr darauf, auf gleicher Augenhöhe Anteil zu nehmen, sich einzufühlen ohne selbst zu leiden, Verständnis zu zeigen, ohne dabei in die negative Emotionsskala abzudriften. Die Situation zu ändern, die Lage zu verbessern und das Leid zu lindern stehen im Vordergrund – das bringt Zuversicht und schafft Hoffnung.

Und das kann gelernt und geübt werden, z.B. mit einem bewussterem Blick durch und auf das Leben, mit Selbsteinfühlung (Meditation), Selbstreflexion und gewollter Unvoreingenommenheit anderen gegenüber. Mehr Achtsamkeit, weniger schnelle Vorurteile sowie aktives Zuhören im Alltag sind wichtig. Das ist ein stetiger Lernprozess – aber wenn der Wille da ist, kann es kaum schiefgehen.

Mitgefühl ist wohlwollend, hilfsbereit und wertschätzend – es verbindet, schafft Vertrauen und fördert altruistische Handlungen. Wir brauchen mehr ehrliches, bemühtes Mitgefühl in der Welt.


Ich freue mich natürlich, wenn ihr mir eure Meinung bzw. eure persönliche Definition der drei Begriffe mitteilt, vor allem, falls diese von meiner abweicht!

Die Causa HYGIENE AUSTRIA

Bewaffnet mit Aktentasche, Laptop, iPad und jeder Menge Notizen besuchte ich am Sonntag , den 24. Jänner 2021, Herrn Tino Wieser in Wiener Neudorf am Gelände von Palmers & Hygiene Austria.

Speziell zweiteres Unternehmen hatte ich zuvor mit einem Posting auf Facebook vor den Vorhang geholt: Lisa Wieser, die Schwägerin des Hygiene Austria-Geschäftsführers Tino ist nämlich Büroleiterin von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Dieses Näheverhältnis schafft doch auf den ersten Blick eine schiefe Optik, vor allem, wenn man auch noch entdeckt, dass das Unternehmen nur einen Tag – am 12. März 2020 – vor der Ankündigung des ersten Lockdowns gegründet wurde.

Aufgrund der großen Reichweite, die mein Facebook-Beitrag erhielt – über 1.300 Shares -, ließ auch Tino Wieser einen Kommentar ab und lud mich ein, mir den Betrieb persönlich anzusehen. Ich sagte zu, beriet mich im Vorhinein des Termins u.a. mit SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher und einem, mit mir befreundeten, Mitbewerber Wiesers und Maskenproduzenten – und verbrachte letztendlich statt den von mir eingeplanten ~ 1 1/2 Stunden ganze vier Stunden am Areal von Hygiene Austria. Herr Wieser stand mir Rede und Antwort zu allen Fragestellungen, gab mir proaktiv Einblick in unterschiedlichste Aufzeichnungen, Tabellen und Dokumente, in seinen Schriftverkehr und sogar in manchen Chatverlauf.

Folgend nun meine Ergebnisse des Besuchs bzw. Auszüge von Tino Wiesers Angaben. Ich möchte festhalten, dass ich Herrn Wieser entgegen meiner Erwartungen als sehr herzlich empfunden habe. Er kam durchgehend wirklich ehrlich, teilweise emotional hinüber – und ich habe extra Vorsicht walten lassen, dass man mich nicht „einlullt“.

Außerdem muss klar sein: Ich spreche hier von meinen persönlichen Eindrücken – mein Besuch ist nicht offiziell im Rahmen einer meiner SPÖ-Funktionen erfolgt.


Am 12. März wurde lediglich eine Vorratsgesellschaft namens „AE GE BetaEta Holding“ gegründet.

In der Woche vor dem Lockdown wurde Wieser bzw. Palmers nicht mehr als alle anderen Handelsunternehmen über die geplanten Maßnahmen informiert. Durch Geschäfte und Partner in anderen Teilen der Welt, konkret z.B. in Hongkong, ahnte Wieser allerdings bereits was am Kommen war.

Am 13. März, dem Tag der Verkündung, schickte Wieser seine MitarbeiterInnen nachhause, mit dem Auftrag, Besorgungen zu erledigen und den eigenen Grundbedarf an Lebensmittel etc. zu decken. Am 16. März traten die Maßnahmen und der erste Shutdown in Kraft.Am 26.3. trat Tino Wieser zum ersten Mal mit Stefan Doboczky, dem Geschäftsführer der Lenzing AG, in Kontakt. Wieser hatte zuvor die Absicht von Lenzing, Masken zu produzieren, in einem Medienbericht wahrgenommen. Der Palmers- sowie der Lenzing-Geschäftsführer einigten sich, die Produktion gemeinsam zu starten und kauften die bereits bestehende Vorratsgesellschaft auf. (die Lenzing AG hält 50,10%, die Palmers Textil AG einen Anteil von 49,90%)

Mehrere Millionen Euro wurden gleich zu Beginn investiert: von Lenzing-Seite kam das Geld von der Firma, das Investment von Palmers-Seite kam ursprünglich von Tino Wieser privat!

Die Firma startete mit drei Produktionsstraßen, mittlerweile sind 30 Stück im Betrieb – darunter drei Hochleistungsmaschinen zur Herstellung von sterilen Medizinprodukt-Masken für den OP-Bereich.

Bezüglich Exporte: 99% der Verkäufe gehen an österreichische KundInnen, die Lufthansa ist einzige ausländische Abnehmerin.

Verkäufe an die Republik Österreich:

2020 entstanden seitens BBG (Bundesbeschaffungs GmbH) lediglich Aufträge im Wert von insgesamt 684 Euro brutto.

Bis Juni 2020 übernahm das Rote Kreuz die Bundesbeschaffung – dieses kaufte um insgesamt 14.706 Euro ein.

Von den österreichischen Bundesministerien wurden 2020 Produkte um insgesamt ca. 150.000 Euro eingekauft.

22 Millionen Euro wurden vergangenes Jahr von Hygiene Austria umgesetzt. 82% der Umsätze werden generiert mittels Handelsketten wie SPAR, REWE, Hofer, DM sowie mit der Belieferung von Spitälern (Landeskliniken) und eines Apothekengroßhändlers.(Ich habe in die Aufzeichnung der Umsätze selbst Einblick genommen.)

Hygiene Austrias Großhandelspreis von FFP2-Masken beläuft sich, je nach bestellter Menge, auf ca. 2,30 – 1,50 Euro.

Der österreichischen Bundesregierung hat Tino Wieser seine Masken unzählige Male zu niedrigeren Preisen ( z.B. 70 Cent) angeboten. Immer wieder wurden Bestellungen verhandelt, dann aber wieder verworfen und stattdessen in China um 30 Cent eingekauft.Wieser kritisiert die Bundesregierung und deren Vorgehen seit 15. Juni 2020. Statt österreichische Arbeitsplätze zu fördern und auf heimische Qualität zu setzen, wird millionenfach in Asien eingekauft. Viele Millionen Masken mussten bereits von der Republik Österreich „eingestampft“ werden aufgrund minderer Qualität.

Wieser findet es falsch, dass Bundeskanzler Kurz bei öffentlichen Auftritten teilweise chinesische Masken (KN95) trägt, statt solcher heimischen Ursprungs.

In der Familie ist der Grund dafür allgemein bekannt, warum die Bundesregierung die Firma schmählich behandelt: Die auch von mir hervorgehobene Nähe zum Büro des Kanzlers.
Aber diese ist gar nicht so gravierend, wie zuerst gedacht und auch von mir angenommen wurde – und das haben etliche Medien, einschließlich ZackZack.at, sowie auch z.B. die NEOS in einer parlamentarischen Anfrage falsch verbreitet: Immer wieder hieß es, der Ehemann von Lisa Wieser, der Kanzlermitarbeiterin, wäre der Geschäftsführer von Hygiene Austria. Tatsächlich ist sie aber nur die Schwägerin des Geschäftsführers (Tino Wieser), Luca sitzt dagegen im Vorstand der Palmers Textil AG und hat mit den Geschäften der Hygiene Austria im Alltag kaum zu tun.

ZackZack.at-Redakteur Thomas Oysmüller war im vergangenen Jahr selbst in Wiener Neudorf, um sich ähnlich mir ein Bild zu machen. Nach dem Gespräch mit Wieser musste auch Oysmüller (via Email) einen Fehler zugeben und den eigenen Artikel als „reißerisch“ bezeichnen. Er gab an, die Chefredaktion würde ein nachträgliches Korrigieren oder eine Entfernung des Artikel allerdings verweigern.

Auch das Online-Magazin Addendum berichtete am 4. August von möglicher Korruption und geheimen Verträgen. Laut Tino Wieser und internen Quellen wurde der berüchtigte Finanzierungsstopp des Magazins von Mateschitz am selben Tag(!) bekanntgegeben, und zwar u.a. aufgrund dessen, dass die Inhalte des Artikels frei erfunden gewesen wären, da ja in Wahrheit auch nur 684 Euro an die BBG geflossen sind. Mateschitz verweigerte, Wieser nach, die Unterstützung von Fake News und stellte das Magazin, nach mehreren Zwischenfällen, am 4. August schließlich vollends ein.

Der Betriebsbesuch von Kurz & Aschbacher im Mai 2020 wurde durch eine formelle Anfrage erreicht, nicht durch die Schwägerin. Sämtliche andere Regierungsmitglieder lehnten Termine ab.

Wieser wollte der Regierung die große Werbefläche am Palmers-Turm kostenfrei für ein „Schau auf dich“-Plakat zur Verfügung stellen, auch dies wurde abgelehnt.

Herr Wieser zeigte mir Korrespondenzen, Konzepte und Angebote zur Aktion der Masken für Über-65-Jährige. Herr Wieser hatte dieses entwickelt und bereits mit der Post AG ausgehandelt. 10 Masken hätten vor Weihnachten/Silvester geliefert werden sollen, 10 vor den Semesterferien sowie 10 vor Ostern – und zwar an alle Über-65-Jährigen. Die Bundesregierung druckste herum: am 5.11. wurde erstmals ein Angebot an die Sektionschefin von Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober, Brigitte Zarfl, gestellt, immer wieder wurde es verbessert, am 3.12. wurde es letztmalig überarbeitet übermittelt. Zarfl antwortete erst am 4.12., sagte nach vorheriger Zusage doch ab und redete sich heraus mit der Behauptung, man hätte die Ausschreibung falsch ausgegeben. Prompt ging eine neue Ausschreibung online und den Zuschlag erhielt ein Zweiradimporteur, der chinesische Masken um 30 Cent pro Stück verkaufte.

Die enorme Wertschöpfung durch heimische Bestellungen wird von der Bundesregierung nicht bedacht, meint Wieser. Auch die Qualität der chinesischen Lieferungen sei zum Vergessen: Durch die niedrige Temperatur in den Frachtflugzeugen würde die notwendige elektrostatische Aufladung der Masken verloren gehen.

Wieser bot der Regierung im April 2020 ein Konzept an, nach dem jeder Haushalt Test-Kits für daheim erhalten sollte: Antigentests, eine Flasche Desinfektionsmittel sowie MNS-Masken („STOPP CORONA BOX“), das unter der Zusammenarbeit von mehreren österreichischen Unternehmen umgesetzt werden sollte.

An staatlichen Subventionen erhielt Hygiene Austria ausschließlich 15.000 Euro Investitionsförderung für drei Produktionsmaschinen, gibt Tino Wieser an. (Bei Palmers wurde Kurzarbeit in Anspruch genommen.)

Der Palmers zustehende Gewinnanteil wird ausnahmslos sofort re-investiert, Wieser selbst zahlt sich nur ein vierstelliges Monatsgehalt aus.

Wieser gibt an, seine Motivationsschub für die Gründung der Hygiene Austria wäre gewesen, die Umsatzeinbußen von Palmers wettzumachen. Dies wäre glücklicherweise gelungen.

Zudem konnte er 200 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Die ArbeitnehmerInnen würden in drei Schichten zu je 8 Stunden arbeiten, der Betrieb läuft die ganze Woche über (24/7).


Falls mir nachträglich noch etwas Nennenswertes einfällt, werde ich es ergänzen. Bei Fragen gerne jederzeit melden!

Abschließend muss ich eingestehen, dass ich nach der Einsicht in die Unterlagen von Herrn Tino Wieser, sowie nach dem ausführlichen und überraschend offenen Gespräch, zu der Meinung gekommen bin, durchaus ein falsches Vorurteil gefasst zu haben: Das Näheverhältnis über die Schwägerin zum Bundeskanzleramt wirkt auf den ersten Blick dubios – sowas muss aber auch nichts heißen. Die reißerische Berichterstattung von Medien wie ZackZack.at (zumindest in diesem Kontext) sowie die eigene parteipolitische Tätigkeit in der Opposition, tragen wohl bei, gleich mal vom Schlimmsten auszugehen, was mir – auch wenn ich mit meinem Originalbeitrag ohnehin bewusst keine Anschuldigungen ausgesprochen habe – leid tut.

Herzlichen Dank für die Einladung und das Gespräch!

Ich werde Bezirksrat!

Nach der erfolgreich geschlagenen Wien-Wahl im Oktober, im Rahmen dieser auch die Bezirksvertretungen der 23 Wiener Gemeindebezirke gewählt wurden, darf ich mit Freude verkünden: Ich werde am 19. November als Mitglied des Bezirksparlaments des 6. Bezirks angelobt! 

Meine Freude ist riesig, dass ich die kommenden fünf Jahre in einem so engagierten, diversen Team an ExpertInnen und AktivistInnen gemeinsam für ein noch lebens- und liebenswerteres Mariahilf mitarbeiten darf. Großen Dank an Bezirksvorsteher Markus Rumelhart und die SPÖ Mariahilf für das Vertrauen!

Als Bezirksrat möchte ich insbesondere eine laute Stimme sein für die Obdachlosen, die psychisch Erkrankten und gesellschaftlich Ausgegrenzten – generell gesagt für die „schwächeren Glieder“ unseres Miteinanders im Bezirk. Es ist mir ein Herzensanliegen, jene zu unterstützen, die Hilfe benötigen und jene zu fördern, die bereits auf einem guten Weg sind.

Aber selbstverständlich setze ich mich auch für alle anderen ein: Nicht auseinander zu dividieren, sondern vielmehr für ein harmonisches Zusammenleben zu vereinen muss im Mittelpunkt stehen. Für ein gutes (Zusammen-)Leben für alle!

Gerne stehe ich für alle Anliegen zur Verfügung unter:
– mariahilf(a)dorianrammer.at
– 0676/7057893


Das Beitragsbild wurde von Daniel Kleinfercher fotografiert.

Alkohol & Drogen – Politik

Wie im Blogbeitrag meiner Biografie versprochen, möchte ich in diesem Artikel – zumindest grob – auf meine politische Positionierung zu Suchtmitteln eingehen.

Grundsätzlich trete ich für Bildung und Aufklärung ein, Strafverfolgung und Verbote im privaten Bereich halte ich für wenig sinnvoll. Hier muss ich allerdings klarstellen: Das gilt nur solange niemand anderer mitgeschädigt wird – wie es z.B. beim Rauchen von nikotinhaltigen Zigaretten in Form von Passivrauchen der Fall sein kann. Beim Rauchen sehe ich ein Verbot in Gastronomie und öffentlichen (räumlich abgeschlossenen) Bereichen positiv – aufgrund der Fremdschädigung. Wenn Substanzen aus wissenschaftlicher Sicht klar eine schädigende Wirkung erzielen, sollte auch der Eigenkonsum nicht unbedingt gefördert werden, allerdings sollte dem Individuum ebensowenig die gänzliche Freiheit genommen werden, es trotzdem zu konsumieren.

Ganz klar bin ich im Standpunkt, dass Suchtmittel generell entkriminalisiert gehören. Ein gutes Beispiel für Argumente stellt z.B. Portugal dar:

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derStandard.at online, Userkommentar von Alexander Lehner am 16. August 2016

Auch sind die Anzahl der HIV- und Hepatitis-Neuansteckungen unter Drogensüchtigen sowie die Zahl der jährlichen Drogentoten (Überdosierung, Verunreinigung von Substanzen oder z.B. durch infektiöse Krankheiten – beim Teilen von Nadeln) extrem stark zurückgegangen. Die Zahl der Heroinabhängigen in Portugal hat sich von 100.000 auf 50.000 halbiert.

Eine Marihuanalegalisierung halte ich für überfällig – also auch für privaten Eigenkonsum.

Cannabis hat bewiesenermaßen viele positive Effekte auf die Gesundheit: bei Multipler Sklerose, bei Krebs sowie bei chronischen Schmerzen kann Cannabis tatsächlich helfen – v.a. wenn es um die Reduktion von Schmerzen oder Nebenwirkungen geht. Durch Konsum hervorgerufene Psychosen sind im Gegensatz zu anderen Substanzen selten und die durch regelmäßigen Konsum von Cannabis hervorgerufenen Veränderungen der geistigen Fähigkeiten – ja, die gibt es akut: Aufmerksamkeit, Gedächtnis – sind nach völliger Abstinenz wieder rückbildungsfähig. Die gesundheitlichen Risiken von Alkohol und Nikotin sind um Einiges höher als bei Marihuana.
Der Staat kann eine Menge an Einnahmen durch Besteuerung gewinnen. In Einrichtungen wie bspw. Apotheken sollte die kontrollierte Abgabe, in passender Dosierung und geprüfter, guter Qualität erfolgen – mit entsprechenden Rahmenbedingungen wie z.B. einem verpflichtenden Aufklärungsgespräch vor Erstkonsum oder Kauf einer neuen Substanz, kein Verkauf an Schwangere (denn hier kann sehr wohl die Entwicklung des Fötus gestört werden) sowie erst ab 18 Jahren. Kein Bedarf an Schwarzmarkt…

Auch für Alkohol halte ich eine Altersbegrenzung ab 18 Jahren für sinnvoll, da ein noch wachsendes Gehirn durchaus gestört werden kann in der Entwicklung. Für nikotinhaltige Zigaretten bin ich ebenso für eine Altersbegrenzung ab 18 Jahren.

Einige „Begleitmaßnahmen“ wie Psychotherapie auf Krankenkasse und intensive Aufklärung an Schulen über Risiken und Nebenwirkungen sowie akute Wirkung und Wirkweise von Drogen wären sehr wichtig umzusetzen – eine Legalisierung oder Entkriminalisierung alleine reicht nicht aus.
In meiner eigenen Biografie habe ich schon unterschiedliche Substanzen ausprobiert bzw. konsumiert. Deshalb bin ich mir auch aus eigener Erfahrung heraus bewusst, dass es sehr wohl Substanzen gibt, die sich auch negativ auswirken können – „schlechter Trip“. Da man aber Missbrauch durch Verbote allein ohnehin nicht aus der Gesellschaft verbannen kann, sollte man stattdessen eher darauf setzen, die negativen Aspekte der Thematik anzugehen. So vieles kann durch Aufklärung, ein sicheres Umfeld und wertschätzende Kommunikation erreicht werden. Wenn es einen Computer- und Hundeführerschein gibt, dann warum nicht auch einen Guide für bewussten und aufgeklärten Konsum von Substanzen wie Alkohol, Cannabis, Kokain, LSD u.ä.? „Wie konsumiere ich richtig, was muss ich beachten, was habe ich zu befürchten, was sind die Konsequenzen, will ich das wirklich, bin ich dafür gewappnet, wie leiste ich Erste Hilfe?“

So, und jetzt kommt’s:
Ich wäre sogar für eine Legalisierung von Kokain, Amphetaminen, LSD, Heroin usw. – zumindest aber für eine Entkriminalisierung. Alle Zahlen weltweit deuten darauf hin, dass eine repressive Haltung nur ein deutliches Mehr an Drogentoten bedeutet. Menschen für etwas zu bestrafen, mit dem sie ausschließlich sich selbst schaden, macht auch nicht so wirklich Sinn. Die illegale Produktion und Beschaffung von Drogen fördert Kriminalität massiv – gegen kriminelle Vereinigungen, die nationale Institutionen in Entwicklungsländern destabilisieren, kann nur durch Liberalisierung vorgegangen werden.

Viele Substanzen würden in reiner Form – also ohne (oft giftige) Streckmittel, die durch Dealer beigemischt werden -, einen Großteil der aus Studien bekannten negativen Nebenwirkungen verlieren. MDMA bspw. könnte sogar therapeutisch eingesetzt werden: mittels „Microdosing“ z.B. gegen Posttraumatische Belastungsstörungen. Die wissenschaftliche Forschung würde von einer Liberalisierung der rechtlichen Lage klar profitieren.


Die Materie ist recht komplex, der Beitrag soll einen groben Einblick in mein Denken bieten. Ich freue mich immer über Feedback!
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Das Beitragsbild stammt von Jirapong Pnngjiam auf Pixabay.

Versöhnung. Aussöhnung.

Niemand ist mehr an seine Eltern gekettet als ein Mensch, der sich von ihnen losgesagt und den Kontakt abgebrochen hat.

Als ich mit 16 Jahren von daheim in einer Nacht-und-Nebel-Aktion weglief, hatte ich innerlich mit der Vergangenheit abzuschließen versucht und wollte meine Eltern (Vater und Stiefmutter) quasi nie wieder sehen – so innerlich distanziert hatte ich mich von ihnen, so sehr war ich seelisch verletzt worden. Ich fühlte mich nicht wie ein Kind sich seinen Eltern gegenüber fühlen sollte: behütet, akzeptiert und geliebt.

So machte ich mich also auf in eine neue Welt und zog aus um ungelebte Freiheiten endlich auszuleben. Was ich dann wiederum leider extrem übertrieb – aber das habe ich bereits im vorherigen Blogbeitrag thematisiert.

Erst 2016/17 fand ich nach beinahe vier Jahren annähernder Funkstille wieder zurück zu ihnen. 2017 war ich auch sechs Wochen auf Reha, im Rahmen derer mir die psychologische Wichtigkeit der Aussöhnung mit den Eltern bewusst wurde. Anfang 2018 zog ich sogar wieder zurück zu ihnen (und meinem kleinen Bruder), wo ich deutlich merken konnte, dass mir doch noch ein paar Jahre in geschützter Umgebung unter den Fittichen von Bezugspersonen zu einer gesunden Entwicklung gefehlt hätten…

Meine Stiefmutter erkrante allerdings während meiner Abwesenheit an Krebs und litt ziemlich darunter. Recht bösartig und aggressiv wie er war, breitete er sich in ihrem Körper aus – Chemotherapien u.ä. ermöglichten ihr aber noch ein paar Jahre.

Ich bin sehr froh, dass ich ihr letztes Lebensjahr – sie starb zu Silvester 2018 – noch mit ihr teilen und mich mit ihr voll aussöhnen konnte. Durch diese Aussöhnung wurde ich viel gefestigter im Leben und ich bin im Nachhinein wirklich dankbar, dass sie stattgefunden hat. Erst am Ende merkt man oft, wie viel einem jemand bedeutet – soviel auch vorgefallen ist zwischen einander.

Auch mit meinem Vater bin ich inzwischen auf einer Ebene, die ein gutes Miteinander ermöglicht. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich immer versuche das Handeln anderer nachzuvollziehen anstatt einfach zu verurteilen – sei ihr Handeln noch so arg auf den ersten Blick. Dahinter steckt doch meist selbst eine verletzte, traumatisierte Seele, die erst zu dem geworden ist, das diese argen Handlungen setzt.

Und so kann ich nahezu jedem vergeben, wenn auch ihre Taten nicht komplett vergessen.

Meine Biografie. Meine Motivation.

Seit Jahren engagiere ich mich leidenschaftlich politisch. Um meine dahinterstehende Motivation verständlich zu machen, möchte ich in diesem Beitrag bewusst sehr offen auf meine Herkunft bzw. Biografie eingehen.

Am 20. Mai 1996 bin ich als Sohn eines sehr streng erzogenen Softwareentwicklers und einer alkoholkranken Poetin in Stockerau, Niederösterreich, zur Welt gekommen. Meine Mutter nahm zum Zeitpunkt meiner Geburt bereits seit mindestens sieben Jahren Antidepressiva ein, konnte ihrer Flucht in den Alkohol aber leider nicht Meisterin werden – auch während der Schwangerschaft nicht. Auch wenn es sich bei mir um ein Wunschkind handelte, fiel sie nach meiner Geburt noch dazu in eine schwere postpartale Depression.

Im Jahr 2000 verstarb meine Mutter im Alkoholkoma. Nach einiger Zeit bei meinen Großeltern mütterlicherseits zog ich für über ein Jahr zu den Eltern meines Vaters. Diese Zeit bedeutete für mich viel Schönes, wie z.B. einen großen Garten und ein Aufwachsen am Land, aber auch eine strenge Erziehung.

Kurz vor meinem Volksschuleintritt zog ich in eine kleine sozialpädagogische Wohngemeinschaft für traumatisierte Kinder und Jugendliche in Enzesfeld-Lindabrunn, die „WG Kinderlachen“ von Andreas Hirtl. Meinen Vater und meine Großeltern bekam ich nur abwechselnd an den Wochenenden zu Gesicht. Während dieser Zeit versuchte sich mein Vater mit einer neuen Partnerin eine Zukunft in Eichgraben aufzubauen. Jene Frau hatte allerdings großen Hass gegen meine leibliche Mutter, den sie gegen mich richtete. Psychoterror, aber auch vereinzelte, bis heute sehr gut in Erinnerung bleibende körperliche Übergriffe, prägten meine Besuche dort.

Im Alter von sieben Jahren kam ich zurück zu meinem Vater nach Wien, der inzwischen eine neue Lebensgefährtin gefunden hatte. Nachdem er sie 2004 heiratete, wurde sie offiziell zu meiner Stiefmutter.

Rückwirkend betrachtet bin ich meiner Stiefmutter zutiefst dankbar für ihre damalige Bereitschaft, mich in ihr Leben aufzunehmen. In vielen Situationen, das ist mir heute bewusst, ist sie wie eine Löwin für mich eingestanden und hat für mich gesorgt. Andererseits war es auch für sie etwas komplett Neues, plötzlich ein Kind zu haben, das quasi schon „angeknackst“ und im Alter von sieben Jahren „geliefert“ wird.
Denn „angeknackst“ war ich bereits recht stark, das ist mir heute auch klar. Bereits in der Volksschulzeit zeigte ich z.B. starkes ADHS auf, immer suchte ich überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit sowie Bestätigung, ein Schwarz-Weiß-Denken und eine fehlende Impulskontrolle waren auch schon vorhanden.

Mit der Zeit wurde die Beziehung zu meinem Vater und meiner Stiefmutter schwieriger, 2005 kam dann mein Halbbruder zur Welt. Meine Eltern wurden mir gegenüber strenger, gelegentlich kam es zu Ausrutschern physischer Natur, ich kam in die Pubertät. Die Situation und unsere Patchwork-Family – aus der vorangegangenen Beziehung meines Vaters kam eine Halbschwester dazu – war sicherlich für alle Beteiligten nicht einfach. Als Kind bzw. Jugendlicher fühlte ich mich in meiner Haut und auch zuhause allerdings immer unwohler.
Als ich mich dann mit ca. 14 Jahren outete und meine Homosexualität offenbarte, die vor allem bei meinem Vater gar nicht gut ankam, wurden die Streits immer häufiger und ich rutschte in eine erste diagnostizierte Depression.

Im Alter von 16 Jahren entschied ich mich zur Flucht und packte meinen Koffer. In einer Herbstnacht wartete ich bis meine Eltern eingeschlafen waren und lief davon. Die erste Nacht verbrachte ich bei Regen im Rathauspark auf einer Parkbank, am nächsten Morgen machte ich mich mit seelischem Beistand einer Schulfreundin zum Krisenzentrum für Jugendliche in Wien-Simmering auf und verbrachte dort einen Monat in Obsorge des Jugendamtes. In Folge zog ich nach Verhandlungen mit meinem Vater zu meinen Großeltern mütterlicherseits und brach den Kontakt zur restlichen Familie ab.

Ein neues Leben begann für mich: Ich besuchte meine ersten Parties, ging aus, trank Alkohol – meine schulischen Erfolge rasselten dagegen in den Keller. Ich konnte mit den neugewonnenen Freiheiten nicht umgehen und versuchte nachzuholen, was ich aus meiner Sicht bis dahin verpasst hatte.
Nach dem Gymnasialbesuch der HIB 3 (Boerhaavegasse, 1030 Wien) hatte ich in der Oberstufe auf die BAKIP 8 (Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik, 1080 Wien) gewechselt – diese brach ich nun nach drei von fünf Jahren ab und startete stattdessen die Lehre zum Buchhändler & Einzelhandelskaufmann. Nach einem Jahr bei meinen Großeltern – ich war inzwischen 17 Jahre alt -, zog ich als Untermieter in eine Wohnung eines Bekannten und war fortan nahezu auf mich alleine gestellt. Ich tauchte in das schwule Nachtleben ein, engagierte mich stark bei der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien und organisierte unter anderem den Wiener Regenbogenball und die Regenbogenparade mit. Mein Fortgehen nahm immer mehr Zeit in Anspruch und als sich schlussendlich zum Alkohol noch andere Substanzen wie Kokain gesellten, brach ich auch noch meine Ausbildung nach zwei Jahren ab.

Besonders zwischen 2014 und 2017 (18-21 Jahre) hatte ich mit großer Einsamkeit, fehlender Impulskontrolle und starken Depressionen zu kämpfen, die einen Teufelskreis befeuerten: Ich ging viel aus und versuchte die Einsamkeit sowie wohl die fehlende Liebe in meiner Kindheit, den tief sitzenden Schmerz (wie schon meine Mutter vor mir) mit diversen Substanzen zu verdrängen. Ich hatte kaum Freunde, dafür sehr viele oberflächliche Kontakte, hatte finanzielle Probleme und war sehr launisch. Vermutlich aus dem vielen Alkohol- und Drogenkonsum hervorgehend entwickelte ich noch dazu eine Panikstörung (Panikattacken), die mir zu schaffen machte.

Im Oktober 2016 fiel ich nach langem Feiern in eine starke Psychose und wurde via Rettung auf die psychiatrische Abteilung des Otto-Wagner-Spitals („Baumgartner Höhe“) eingeliefert. Mir wurde auf die Schnelle eine bipolare affektive Störung diagnostiziert und ich bekam nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt Medikamente mit auf den Weg. Zusätzlich besuchte ich fortan regelmäßig den Psychosozialen Dienst (PSD), wo mir eine Psychiaterin zu helfen versuchte.

Nachdem ich allerdings bis März 2017 noch zwei weitere Male (vermutlich lebensrettend) mit der Rettung auf die Baumgartner Höhe fuhr, entschied ich mich dazu, eine sechswöchige psychiatrische Reha zu besuchen. Im Klinikum Hollenburg wurde mir während dieser eine neue Diagnose umgehängt, in der ich mich tatsächlich auch selbst wiederfinde: Ich habe eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, auch bekannt als Borderline.

Durch die Rehabilitation in Hollenburg sowie auch Literatur wie z.B. das Buch Borderline bewältigen von Heinz-Peter Röhr lernte ich mich und meine, mir über die Jahre durch traumatische Erfahrungen angeeigneten Abwehrmechanismen besser kennen.
Borderline ist eine sehr komplexe psychische Erkrankung, die leider nicht so einfach mit Medikamenten behandelt bzw. geheilt werden kann. Mit einer Kombination aus medikamentöser sowie Psychotherapie und Psychoedukation lässt es sich allerdings weitgehend gut mit ihr leben. Mit der Zeit habe ich einige Strategien entwickelt und kann heute teilweise präventiv handeln, um gewisse negative Aspekte der Erkrankung zu vermeiden.

Immer funktioniert das allerdings nicht. Erst kürzlich musste ich das wieder feststellen. Aber so ist das Leben – und nach einem Tief kommt auch immer wieder ein Hoch.


Was hat meine Biografie nun mit meiner politischen Motivation zu tun?

Unsere Erfahrungen prägen uns. Besonders die (frühkindlichen) Kindheitserlebnisse haben großen Einfluss auf das spätere Leben eines Menschen. Charakter und Persönlichkeit werden durch das Zusammenspiel von Genetik, eigenen Erfahrungen sowie Umwelteinflüssen wie Eltern, Erziehung u.ä. geformt.

Ich hatte eine sehr turbulente Kindheit, die ich als überwiegend eher unangenehm bezeichnen würde. Mit den Folgen der fehlenden Liebe und der Abwesenheit echter Bezugspersonen, zu denen ich Vertrauen aufbauen konnte, habe ich noch heute zu kämpfen – und werde ich wohl auch noch länger haben.

Gleichzeitig bin ich durch meine Erfahrungen aber zu jemanden herangewachsen, der einen sehr stark ausgeprägten Gemeinschafts- und Gerechtigkeitssinn sein Eigen nennen darf. Ich bin ein sehr sensibler Mensch und versuche mein Bestmögliches, die Entscheidungen und das Verhalten anderer nachzuvollziehen, bevor ich Urteile fälle. Empathie hat bei mir höchsten Stellenwert.

Zukünftigen und heranwachsenden Generationen möchte ich ähnliche Erfahrungen wie die meinen gerne ersparen. Und als Mitglied vermeintlicher Randgruppen wie LGBTIQ-Personen oder Menschen mit psychischen Erkrankungen kann ich Diskriminierungen oder Ungerechtigkeiten nicht mitansehen, Zivilcourage und Hilfsbereitschaft versuche ich zu leben.

Wenn ich mich für eine Sache engagiere, dann tue ich das mit voller Überzeugung – halbe Sachen gibt’s bei mir nicht: Ganz oder gar nicht! Meine ehrliche Motivation versuche ich immer sehr offen zu kommunizieren, Authentizität ist mir wichtig. Mir würde deshalb auch nie einfallen, mich selbst oder die Stationen meines Lebens zu verleugnen, selbst wenn es sich um (leider) strafrechtlich relevante Themen wie Drogenkonsum handelt.


Mehr Informationen über die Borderline-Persönlichkeitsstörung werde ich versuchen, in einem eigenen Beitrag zu vermitteln. Auch Erläuterungen zu politischen Standpunkten oder Themenbereichen – wie z.B. mein Eintreten für eine liberalere Drogenpolitik – folgen laufend.

Das Beitragsbild wurde von Daniel Kleinfercher fotografiert.

Der dunkle Kristall

Im vorherigen Beitrag schnitt ich kurz die furchteinflößende Wirkung des Filmes „Der dunkle Kristall“ an, die er auf mich in meiner Kindheit hatte. Bereits 1982 erschienen handelt es sich dabei um den ersten Live-Action-Spielfilm, in dem ausschließlich Puppen in der Handlung zu sehen sind. Kreiert wurde er von den Muppets-Erfindern Jim Henson und Franz Oz. Zweiterer lenkte auch die weltbekannte Figur des Yoda aus Star Wars.
Nun kam 2019 eine Prequel-Serie heraus, die auch auf Netflix verfügbar ist. Einige Folgen davon habe ich mir nach meiner gestrigen Entdeckung bereits gegeben.

Meine Großeltern väterlicherseits, bei denen ich zum Teil aufwuchs, hatten daheim einen großen Schrank voller VHS-Kassetten mit aufgenommenen Filmen. Ab und zu setzen wir uns am Abend gemeinsam vor den Fernseher um uns einen Streifen anzusehen. Diese Abende habe ich heute noch in schöner Erinnerung.
Es gab aber auch Filme, die mich eher schaudern ließen – so einer war dieser hier: „Der dunkle Kristall“ hat gleichermaßen Faszination wie Angst in mir ausgelöst. Die dunkle Welt ohne Menschen, aber mit genug anderen schaurigen Gestalten darin ist nicht ohne für ein Kind. Rückwirkend betrachtet hätte ich mir das selbst auch nicht zugemutet, vor allem, da ich ohnehin schon unter regelmäßigen Albträumen litt.

Allen Erwachsenen hingegen kann ich den ursprünglichen Kultfilm nur wärmstens ans Herz legen, für seine Zeit stellte er ein Meisterwerk dar. Aber auch prominent besetzt war er: u.a. Sigourney Weaver und Helena Bonham-Carter liehen den Puppen ihre Stimmen. Die Handlung ist mitunter inspiriert von alten, düsteren Grimm-Märchen, dem Designer der Charaktere kamen seine Ideen dagegen z.B. beim Hummer-Essen.

Den Originalfilm lasse ich hier mit der Story mal außen vor, auf die aktuelle Serie möchte ich jedoch noch etwas eingehen:

Worum geht es kurz zusammengefasst? (Achtung, Spoiler!) „Der dunkle Kristall“ und die Prequel-Serie „Ära des Widerstands“ spielen in der Welt Thra – und die liegt im Sterben. Die Balance ist aus dem Gleichgewicht geraten und „die Verdüsterung“ droht das Leben auf dem Planeten zu verschlingen. Die Skekse, große greifvogelartige Kreaturen, die von der weisen Naturmutter Aughra vor Ewigkeiten damit beauftragt wurden, den namensgebenden Kristall der Wahrheit, Sinnbild für alles Leben auf Thra, zu bewachen, stecken dahinter. Sie vertuschen den Verfall der Welt jedoch vor ihren treu ergebenen Verbündeten, den Gelflingen, und versuchen sich stattdessen ewiges Leben zu verschaffen, indem sie mithilfe des Kristalls anderen deren Lebensessenz aussaugen.
Der Gelfling-Soldat Rian kommt ihnen jedoch auf die Spuren, woraufhin er gejagt wird, er es aber schafft, ein paar MitstreiterInnen im Kampf Gut gegen Böse zu finden…

In der Serie spricht meine persönliche Schauspiellegende Mark Hamill (aka Luke Skywalker aus Star Wars) eine Rolle – die des Gelehrten SkekTek -, außerdem sind Taron Egerton und Donna Kimball mit dabei. Auf CGI wird bewusst verzichtet, das Design der Puppen wurde 1:1 übernommen: wunderbar hässlich würde ich meinen. Die Prequel-Serie erweitert das Universum des Hauptfilms sehr positiv und verleiht den darin vertretenen Lebewesen mehr Tiefe und Hintergrund, das gefällt mir. Bei den Gelflingen muss ich ein wenig an die Hobbits aus Herr der Ringe denken, auch sie beweisen trotz ihrer geringeren Körpergröße großen Mut und Durchsetzungsvermögen – und stellen sich im Rahmen einer großen Abenteuerreise gegen die Unterdrücker von oben.

Zu Beginn, gerade wenn man den ursprünglichen Spielfilm von 1982 nicht kennt, mag einem das Ganze etwas befremdlich vorkommen. Bleibt man jedoch standhaft und lässt die Figuren auf einen wirken, dann taucht man schon bald in eine interessante Fantasywelt ein, die einige poetische und mystische Momente zu bieten hat. Ganz ohne Albträume hoffentlich.

Wish not for treasures you can hold
No gleaming jewels, bright and cold
For finer still than pearl or gold
The treasure of a tale well told.

Gedicht der Gelflinge

Link zum Trailer des Hauptfilms
Link zum Trailer der Prequel-Serie

Bild: Netflix

Das letzte Einhorn

„Das letzte Einhorn“ (OT: „The Last Unicorn“) ist ein, für meine Begriffe legendärer Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1982, der auf dem gleichnamigen Roman von Peter S. Beagle basiert. Man bekommt ihn alljährlich am 24. Dezember im TV zu sehen: Ein Märchen für (ältere) Kinder, das aber Erwachsene ebenso begeistert, da es doch wirklich viel zu bieten hat. Die Filmversion, übrigens im Original eingesprochen von Schauspielgrößen wie Christopher Lee, Angela Lansbury, Jeff Bridges und Mia Farrow, hält sich in den Dialogen oft haargenau an die Buchvorlage, die Story wurde jedoch um einige Aspekte gekürzt. Auch erwähnenswert: Die wirklich berührende Filmmusik stammt von der Band America – und die Animationen aus der Feder des Studios Topcraft, das sich später zum international bekannten Studio Ghibli („Chihiros Reise ins Zauberland“, „Das wandelnde Schloss“) entwickelte.

Worum geht es kurz zusammengefasst? (Achtung, Spoiler!) „Das letzte Einhorn“ ist die Geschichte eines Einhorns, das sich aufmacht, seine verschwundenen Artgenossen zu finden; ein Ungeheuer, der Rote Stier des König Haggard, hat sie aus der Welt vertrieben. Unterwegs tut sich das letzte Einhorn mit dem Jungzauberer Schmendrick und der Räubersbraut Molly Grue zusammen und wird zwischendurch zu seinem Schutz kurzfristig selbst in eine Menschenfrau verwandelt. Am Ende stellt es sich dem Stier im Kampf und bringt die Einhörner in die Welt zurück.

Trotz seiner teils kitschigen Bilder mutet der Film den kindlichen ZuseherInnen mitunter Einiges zu; bei mir hat sich das „Das letzte Einhorn“ rückblickend nicht nur in positiver Erinnerung eingeprägt, übertroffen nur von, für mich damals noch furchteinflößenderen Klassikern wie „Der dunkle Kristall“. Themen wie Tod, Einsamkeit und Depressionen werden behandelt, ebenso steckt der Film voller Einsichten über das Leben der Erwachsenen. So ziemlich alle Figuren kämpfen mit der Traurigkeit, König Haggard spricht es sogar aus: Nichts auf der Welt bereitet ihm mehr Freude!

Eine Figur berührt mich jedoch besonders: Molly Grue, die Räubersfrau, die im ersten Augenblick recht forsch und robust rüberkommt, sich dann aber doch als sehr sensible und empathische Persönlichkeit entpuppt. Im Buch kann man die Charaktertiefe noch viel besser ergründen, aber auch im Film erkennt man sie oberflächlich.

Molly: No, it can’t be. Can it be? Where have you been? Where have you been? Damn you! Where have you been?
Schmendrick: Don’t you talk to her that way!
Unicorn: I’m here now.
Molly: And where were you twenty years ago? Ten years ago? Where were you when I was new? When I was one of those innocent young maidens you always come to? How dare you! How dare you come to me now, when I am this!
[Weeps]
Schmendrick: Can you really see her? Do you know what she is?
Molly: If you had been waiting to see a unicorn, as long as I have…
Schmendrick: She’s the last unicorn in the world.
Molly: It would be the last unicorn that came to Molly Grue. It’s all right, I forgive you. 

Dialog im Film, als Molly Grue das erste Mal auf das letzte Einhorn trifft

Wenn man nun als Kind diese Stelle im Film sieht, dann bedeuten einem Mollys Worte nicht viel. Als Erwachsener aber, der schon viel gesehen hat im Leben, kommt man umso mehr auf deren Grund. Als Kind glaubt man noch an vieles, man sieht mit dem Herzen und hat Hoffnung an das Leben – erkennt nicht die Härte des Vorausliegenden. Wenn aber die Zeit vergeht und ein Tief nach dem anderen einschlägt, man zu kämpfen hat, dann verfliegt die so reine Sicht aufs Leben rasch und man verliert den Glauben. (an Einhörner?)
Molly trauert um das Leben, das sie hätte haben können. Vielleicht nicht unbedingt realistisch, was sie sich erträumt hatte, aber wohl besser, als das, was ihr tatsächlich widerfahren ist, zumindest bis zu dem Zeitpunkt des Treffens mit dem Einhorn. Sie fühlt sich „verbraucht“ – von Männern, von den Umständen, vom Leben? Ihre Unschuld ist fort und sie kann es nicht rückgängig machen. Also bündeln sich all ihr Schmerz und ihre Wut, als sie das Einhorn anschreit.

Aber Molly Grue ist auch voller Fürsorge und Gutherzigkeit. Sie treibt die Gefährten auf ihrer Quest an und stellt die eigenen Probleme hinten an, so viele sie auch hat. Sie ist Motivatorin und Mutmacherin, obwohl sie selbst nicht ohne Leiden ist. Molly beweist wahre Größe und Stärke: Sie ist die eigentliche Heldin der Story für mich.

Link zum Trailer

Das letzte Einhorn und Molly Grue

Die Bilder im Beitrag gehören Lions Gate Entertainment.

Ich habe ein Gewerbe angemeldet.

Seit 2013 bin ich in der Wiener Adabei- und Eventszene unterwegs. Begonnen habe ich als Hobbyfotograf, später durch die enge Freundschaft zu Promi-Designer Nhut La Hong durfte ich selbst in die österreichische Seitenblicke-Gesellschaft eintauchen, durch die Mitorganisation der Regenbogenparade und diverser Bälle wurden weitere Kontakte geknüpft. Gemeinsam mit meinem langjährigen Wegbegleiter Daniel Kleinfercher habe ich viele Erfahrungen im Influencer- und Bloggerbereich gesammelt, mein politisches Engagement hat mir die tiefgehenderen Einblicke ins Leben erlaubt.

Nun habe ich endlich ein eigenes Gewerbe – Werbeagentur – angemeldet und darf zusammen mit starken Verbündeten auf eigene Rechnung loslegen. Viele Ideen schweben mir vor, einige davon werden sich hoffentlich auch umsetzen lassen. Ich freue mich auf die kommende Zeit!

Mehr Informationen findet ihr unter www.dorianrammer.at

Professionelles Hilfsangebot bei psychischen Krisen

Services wie den Psychosozialen Dienst (PSD) Wien kann ich jedem empfehlen, dem es gerade psychisch nicht so gut geht und der Beratung, Hilfestellung und Unterstützung für schwer zu bewältigende Zeiten benötigt.

Auch die Wiener Krankenhäuser inklusive ihren psychiatrischen Ambulanzen und Stationen sind verlässliche und vertrauenswürdige Partner im Prozess der Gesundung. Sollte es einmal gar nicht mehr gehen, dann ist der Griff zum Telefon und die Wahl des Rettungsnotrufes 144 angesagt – ein stationärer Aufenthalt um die akuten Bedürfnisse zu befriedigen rettet Leben und ist nichts, wofür man sich schämen muss.

Ich freue mich, dass ich diesmal keinen dieser Schritte setzen muss(te), möchte aber das Angebot der Stadt Wien wirklich jedem ans Herz legen, der nicht mehr weiter weiß. Handelt es sich um keine dringliche Problematik, dann ist es vielleicht auch ausreichend, sich einen Termin bei einem Psychiater und/oder einem Psychotherapeuten auszumachen: Eine passende medikamentöse Einstellung sowie eine Gesprächstherapie können viel Gutes bewirken.

Das Anvertrauen an den engen Freundeskreis kann ähnlich befreiend wirken und dabei helfen, Lösungen zu finden oder professionelle Hilfe zu organisieren. Ich stelle mich hier übrigens ebenso einmal mehr zur Verfügung und biete mein offenes Ohr an!

Ansonsten:
PSD / Psychiatrische Soforthilfe —> 01 31330
Telefonseelsorge —> 142
Rat auf Draht —> 147
Rettung —> 144

Ich habe alle der angegebenen Nummern in der Vergangenheit bereits genutzt und kann nur Positives berichten. („Rat auf Draht“ ist ein Krisennotruf speziell für Kinder und Jugendliche; die Nummer des PSD gilt nur für Wien.)