Die Causa HYGIENE AUSTRIA

Bewaffnet mit Aktentasche, Laptop, iPad und jeder Menge Notizen besuchte ich am Sonntag , den 24. Jänner 2021, Herrn Tino Wieser in Wiener Neudorf am Gelände von Palmers & Hygiene Austria.

Speziell zweiteres Unternehmen hatte ich zuvor mit einem Posting auf Facebook vor den Vorhang geholt: Lisa Wieser, die Schwägerin des Hygiene Austria-Geschäftsführers Tino ist nämlich Büroleiterin von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Dieses Näheverhältnis schafft doch auf den ersten Blick eine schiefe Optik, vor allem, wenn man auch noch entdeckt, dass das Unternehmen nur einen Tag – am 12. März 2020 – vor der Ankündigung des ersten Lockdowns gegründet wurde.

Aufgrund der großen Reichweite, die mein Facebook-Beitrag erhielt – über 1.300 Shares -, ließ auch Tino Wieser einen Kommentar ab und lud mich ein, mir den Betrieb persönlich anzusehen. Ich sagte zu, beriet mich im Vorhinein des Termins u.a. mit SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher und einem, mit mir befreundeten, Mitbewerber Wiesers und Maskenproduzenten – und verbrachte letztendlich statt den von mir eingeplanten ~ 1 1/2 Stunden ganze vier Stunden am Areal von Hygiene Austria. Herr Wieser stand mir Rede und Antwort zu allen Fragestellungen, gab mir proaktiv Einblick in unterschiedlichste Aufzeichnungen, Tabellen und Dokumente, in seinen Schriftverkehr und sogar in manchen Chatverlauf.

Folgend nun meine Ergebnisse des Besuchs bzw. Auszüge von Tino Wiesers Angaben. Ich möchte festhalten, dass ich Herrn Wieser entgegen meiner Erwartungen als sehr herzlich empfunden habe. Er kam durchgehend wirklich ehrlich, teilweise emotional hinüber – und ich habe extra Vorsicht walten lassen, dass man mich nicht „einlullt“.

Außerdem muss klar sein: Ich spreche hier von meinen persönlichen Eindrücken – mein Besuch ist nicht offiziell im Rahmen einer meiner SPÖ-Funktionen erfolgt.


Am 12. März wurde lediglich eine Vorratsgesellschaft namens „AE GE BetaEta Holding“ gegründet.

In der Woche vor dem Lockdown wurde Wieser bzw. Palmers nicht mehr als alle anderen Handelsunternehmen über die geplanten Maßnahmen informiert. Durch Geschäfte und Partner in anderen Teilen der Welt, konkret z.B. in Hongkong, ahnte Wieser allerdings bereits was am Kommen war.

Am 13. März, dem Tag der Verkündung, schickte Wieser seine MitarbeiterInnen nachhause, mit dem Auftrag, Besorgungen zu erledigen und den eigenen Grundbedarf an Lebensmittel etc. zu decken. Am 16. März traten die Maßnahmen und der erste Shutdown in Kraft.Am 26.3. trat Tino Wieser zum ersten Mal mit Stefan Doboczky, dem Geschäftsführer der Lenzing AG, in Kontakt. Wieser hatte zuvor die Absicht von Lenzing, Masken zu produzieren, in einem Medienbericht wahrgenommen. Der Palmers- sowie der Lenzing-Geschäftsführer einigten sich, die Produktion gemeinsam zu starten und kauften die bereits bestehende Vorratsgesellschaft auf. (die Lenzing AG hält 50,10%, die Palmers Textil AG einen Anteil von 49,90%)

Mehrere Millionen Euro wurden gleich zu Beginn investiert: von Lenzing-Seite kam das Geld von der Firma, das Investment von Palmers-Seite kam ursprünglich von Tino Wieser privat!

Die Firma startete mit drei Produktionsstraßen, mittlerweile sind 30 Stück im Betrieb – darunter drei Hochleistungsmaschinen zur Herstellung von sterilen Medizinprodukt-Masken für den OP-Bereich.

Bezüglich Exporte: 99% der Verkäufe gehen an österreichische KundInnen, die Lufthansa ist einzige ausländische Abnehmerin.

Verkäufe an die Republik Österreich:

2020 entstanden seitens BBG (Bundesbeschaffungs GmbH) lediglich Aufträge im Wert von insgesamt 684 Euro brutto.

Bis Juni 2020 übernahm das Rote Kreuz die Bundesbeschaffung – dieses kaufte um insgesamt 14.706 Euro ein.

Von den österreichischen Bundesministerien wurden 2020 Produkte um insgesamt ca. 150.000 Euro eingekauft.

22 Millionen Euro wurden vergangenes Jahr von Hygiene Austria umgesetzt. 82% der Umsätze werden generiert mittels Handelsketten wie SPAR, REWE, Hofer, DM sowie mit der Belieferung von Spitälern (Landeskliniken) und eines Apothekengroßhändlers.(Ich habe in die Aufzeichnung der Umsätze selbst Einblick genommen.)

Hygiene Austrias Großhandelspreis von FFP2-Masken beläuft sich, je nach bestellter Menge, auf ca. 2,30 – 1,50 Euro.

Der österreichischen Bundesregierung hat Tino Wieser seine Masken unzählige Male zu niedrigeren Preisen ( z.B. 70 Cent) angeboten. Immer wieder wurden Bestellungen verhandelt, dann aber wieder verworfen und stattdessen in China um 30 Cent eingekauft.Wieser kritisiert die Bundesregierung und deren Vorgehen seit 15. Juni 2020. Statt österreichische Arbeitsplätze zu fördern und auf heimische Qualität zu setzen, wird millionenfach in Asien eingekauft. Viele Millionen Masken mussten bereits von der Republik Österreich „eingestampft“ werden aufgrund minderer Qualität.

Wieser findet es falsch, dass Bundeskanzler Kurz bei öffentlichen Auftritten teilweise chinesische Masken (KN95) trägt, statt solcher heimischen Ursprungs.

In der Familie ist der Grund dafür allgemein bekannt, warum die Bundesregierung die Firma schmählich behandelt: Die auch von mir hervorgehobene Nähe zum Büro des Kanzlers.
Aber diese ist gar nicht so gravierend, wie zuerst gedacht und auch von mir angenommen wurde – und das haben etliche Medien, einschließlich ZackZack.at, sowie auch z.B. die NEOS in einer parlamentarischen Anfrage falsch verbreitet: Immer wieder hieß es, der Ehemann von Lisa Wieser, der Kanzlermitarbeiterin, wäre der Geschäftsführer von Hygiene Austria. Tatsächlich ist sie aber nur die Schwägerin des Geschäftsführers (Tino Wieser), Luca sitzt dagegen im Vorstand der Palmers Textil AG und hat mit den Geschäften der Hygiene Austria im Alltag kaum zu tun.

ZackZack.at-Redakteur Thomas Oysmüller war im vergangenen Jahr selbst in Wiener Neudorf, um sich ähnlich mir ein Bild zu machen. Nach dem Gespräch mit Wieser musste auch Oysmüller (via Email) einen Fehler zugeben und den eigenen Artikel als „reißerisch“ bezeichnen. Er gab an, die Chefredaktion würde ein nachträgliches Korrigieren oder eine Entfernung des Artikel allerdings verweigern.

Auch das Online-Magazin Addendum berichtete am 4. August von möglicher Korruption und geheimen Verträgen. Laut Tino Wieser und internen Quellen wurde der berüchtigte Finanzierungsstopp des Magazins von Mateschitz am selben Tag(!) bekanntgegeben, und zwar u.a. aufgrund dessen, dass die Inhalte des Artikels frei erfunden gewesen wären, da ja in Wahrheit auch nur 684 Euro an die BBG geflossen sind. Mateschitz verweigerte, Wieser nach, die Unterstützung von Fake News und stellte das Magazin, nach mehreren Zwischenfällen, am 4. August schließlich vollends ein.

Der Betriebsbesuch von Kurz & Aschbacher im Mai 2020 wurde durch eine formelle Anfrage erreicht, nicht durch die Schwägerin. Sämtliche andere Regierungsmitglieder lehnten Termine ab.

Wieser wollte der Regierung die große Werbefläche am Palmers-Turm kostenfrei für ein „Schau auf dich“-Plakat zur Verfügung stellen, auch dies wurde abgelehnt.

Herr Wieser zeigte mir Korrespondenzen, Konzepte und Angebote zur Aktion der Masken für Über-65-Jährige. Herr Wieser hatte dieses entwickelt und bereits mit der Post AG ausgehandelt. 10 Masken hätten vor Weihnachten/Silvester geliefert werden sollen, 10 vor den Semesterferien sowie 10 vor Ostern – und zwar an alle Über-65-Jährigen. Die Bundesregierung druckste herum: am 5.11. wurde erstmals ein Angebot an die Sektionschefin von Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober, Brigitte Zarfl, gestellt, immer wieder wurde es verbessert, am 3.12. wurde es letztmalig überarbeitet übermittelt. Zarfl antwortete erst am 4.12., sagte nach vorheriger Zusage doch ab und redete sich heraus mit der Behauptung, man hätte die Ausschreibung falsch ausgegeben. Prompt ging eine neue Ausschreibung online und den Zuschlag erhielt ein Zweiradimporteur, der chinesische Masken um 30 Cent pro Stück verkaufte.

Die enorme Wertschöpfung durch heimische Bestellungen wird von der Bundesregierung nicht bedacht, meint Wieser. Auch die Qualität der chinesischen Lieferungen sei zum Vergessen: Durch die niedrige Temperatur in den Frachtflugzeugen würde die notwendige elektrostatische Aufladung der Masken verloren gehen.

Wieser bot der Regierung im April 2020 ein Konzept an, nach dem jeder Haushalt Test-Kits für daheim erhalten sollte: Antigentests, eine Flasche Desinfektionsmittel sowie MNS-Masken („STOPP CORONA BOX“), das unter der Zusammenarbeit von mehreren österreichischen Unternehmen umgesetzt werden sollte.

An staatlichen Subventionen erhielt Hygiene Austria ausschließlich 15.000 Euro Investitionsförderung für drei Produktionsmaschinen, gibt Tino Wieser an. (Bei Palmers wurde Kurzarbeit in Anspruch genommen.)

Der Palmers zustehende Gewinnanteil wird ausnahmslos sofort re-investiert, Wieser selbst zahlt sich nur ein vierstelliges Monatsgehalt aus.

Wieser gibt an, seine Motivationsschub für die Gründung der Hygiene Austria wäre gewesen, die Umsatzeinbußen von Palmers wettzumachen. Dies wäre glücklicherweise gelungen.

Zudem konnte er 200 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Die ArbeitnehmerInnen würden in drei Schichten zu je 8 Stunden arbeiten, der Betrieb läuft die ganze Woche über (24/7).


Falls mir nachträglich noch etwas Nennenswertes einfällt, werde ich es ergänzen. Bei Fragen gerne jederzeit melden!

Abschließend muss ich eingestehen, dass ich nach der Einsicht in die Unterlagen von Herrn Tino Wieser, sowie nach dem ausführlichen und überraschend offenen Gespräch, zu der Meinung gekommen bin, durchaus ein falsches Vorurteil gefasst zu haben: Das Näheverhältnis über die Schwägerin zum Bundeskanzleramt wirkt auf den ersten Blick dubios – sowas muss aber auch nichts heißen. Die reißerische Berichterstattung von Medien wie ZackZack.at (zumindest in diesem Kontext) sowie die eigene parteipolitische Tätigkeit in der Opposition, tragen wohl bei, gleich mal vom Schlimmsten auszugehen, was mir – auch wenn ich mit meinem Originalbeitrag ohnehin bewusst keine Anschuldigungen ausgesprochen habe – leid tut.

Herzlichen Dank für die Einladung und das Gespräch!

Das letzte Einhorn

„Das letzte Einhorn“ (OT: „The Last Unicorn“) ist ein, für meine Begriffe legendärer Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1982, der auf dem gleichnamigen Roman von Peter S. Beagle basiert. Man bekommt ihn alljährlich am 24. Dezember im TV zu sehen: Ein Märchen für (ältere) Kinder, das aber Erwachsene ebenso begeistert, da es doch wirklich viel zu bieten hat. Die Filmversion, übrigens im Original eingesprochen von Schauspielgrößen wie Christopher Lee, Angela Lansbury, Jeff Bridges und Mia Farrow, hält sich in den Dialogen oft haargenau an die Buchvorlage, die Story wurde jedoch um einige Aspekte gekürzt. Auch erwähnenswert: Die wirklich berührende Filmmusik stammt von der Band America – und die Animationen aus der Feder des Studios Topcraft, das sich später zum international bekannten Studio Ghibli („Chihiros Reise ins Zauberland“, „Das wandelnde Schloss“) entwickelte.

Worum geht es kurz zusammengefasst? (Achtung, Spoiler!) „Das letzte Einhorn“ ist die Geschichte eines Einhorns, das sich aufmacht, seine verschwundenen Artgenossen zu finden; ein Ungeheuer, der Rote Stier des König Haggard, hat sie aus der Welt vertrieben. Unterwegs tut sich das letzte Einhorn mit dem Jungzauberer Schmendrick und der Räubersbraut Molly Grue zusammen und wird zwischendurch zu seinem Schutz kurzfristig selbst in eine Menschenfrau verwandelt. Am Ende stellt es sich dem Stier im Kampf und bringt die Einhörner in die Welt zurück.

Trotz seiner teils kitschigen Bilder mutet der Film den kindlichen ZuseherInnen mitunter Einiges zu; bei mir hat sich das „Das letzte Einhorn“ rückblickend nicht nur in positiver Erinnerung eingeprägt, übertroffen nur von, für mich damals noch furchteinflößenderen Klassikern wie „Der dunkle Kristall“. Themen wie Tod, Einsamkeit und Depressionen werden behandelt, ebenso steckt der Film voller Einsichten über das Leben der Erwachsenen. So ziemlich alle Figuren kämpfen mit der Traurigkeit, König Haggard spricht es sogar aus: Nichts auf der Welt bereitet ihm mehr Freude!

Eine Figur berührt mich jedoch besonders: Molly Grue, die Räubersfrau, die im ersten Augenblick recht forsch und robust rüberkommt, sich dann aber doch als sehr sensible und empathische Persönlichkeit entpuppt. Im Buch kann man die Charaktertiefe noch viel besser ergründen, aber auch im Film erkennt man sie oberflächlich.

Molly: No, it can’t be. Can it be? Where have you been? Where have you been? Damn you! Where have you been?
Schmendrick: Don’t you talk to her that way!
Unicorn: I’m here now.
Molly: And where were you twenty years ago? Ten years ago? Where were you when I was new? When I was one of those innocent young maidens you always come to? How dare you! How dare you come to me now, when I am this!
[Weeps]
Schmendrick: Can you really see her? Do you know what she is?
Molly: If you had been waiting to see a unicorn, as long as I have…
Schmendrick: She’s the last unicorn in the world.
Molly: It would be the last unicorn that came to Molly Grue. It’s all right, I forgive you. 

Dialog im Film, als Molly Grue das erste Mal auf das letzte Einhorn trifft

Wenn man nun als Kind diese Stelle im Film sieht, dann bedeuten einem Mollys Worte nicht viel. Als Erwachsener aber, der schon viel gesehen hat im Leben, kommt man umso mehr auf deren Grund. Als Kind glaubt man noch an vieles, man sieht mit dem Herzen und hat Hoffnung an das Leben – erkennt nicht die Härte des Vorausliegenden. Wenn aber die Zeit vergeht und ein Tief nach dem anderen einschlägt, man zu kämpfen hat, dann verfliegt die so reine Sicht aufs Leben rasch und man verliert den Glauben. (an Einhörner?)
Molly trauert um das Leben, das sie hätte haben können. Vielleicht nicht unbedingt realistisch, was sie sich erträumt hatte, aber wohl besser, als das, was ihr tatsächlich widerfahren ist, zumindest bis zu dem Zeitpunkt des Treffens mit dem Einhorn. Sie fühlt sich „verbraucht“ – von Männern, von den Umständen, vom Leben? Ihre Unschuld ist fort und sie kann es nicht rückgängig machen. Also bündeln sich all ihr Schmerz und ihre Wut, als sie das Einhorn anschreit.

Aber Molly Grue ist auch voller Fürsorge und Gutherzigkeit. Sie treibt die Gefährten auf ihrer Quest an und stellt die eigenen Probleme hinten an, so viele sie auch hat. Sie ist Motivatorin und Mutmacherin, obwohl sie selbst nicht ohne Leiden ist. Molly beweist wahre Größe und Stärke: Sie ist die eigentliche Heldin der Story für mich.

Link zum Trailer

Das letzte Einhorn und Molly Grue

Die Bilder im Beitrag gehören Lions Gate Entertainment.

The Greatest Teacher Failure is

Luke: Master Yoda.
Yoda: Young Skywalker.
Luke: I’m ending all of this. The tree, the texts, the Jedi. I’m gonna burn it down.
Yoda: Ah, Skywalker. Missed you, have I.
Luke: So it is time for the Jedi Order to end.
Yoda: Time, it is… For you to look past a pile of old books, hmm?
Luke: The sacred Jedi texts.
Yoda: Oh. Read them, have you? Page-turners, they were not. Yes, yes, yes. Wisdom, they held, but that library contained nothing that the girl Rey does not already possess. Ah, Skywalker… still looking to the horizon. Never here. Now, hmm? The need in front of your nose.
Luke: I was weak. Unwise.
Yoda: Lost Ben Solo, you did. Lose Rey, we must not.
Luke: I can’t be what she needs me to be.
Yoda: Heeded my words not, did you? „Pass on what you have learned.“ Strength, mastery, hmm… But weakness, folly, failure also. Yes, failure most of all. The greatest teacher, failure is. Luke, we are what they grow beyond. That is the true burden of all masters.

Dialog zwischen Luke Skywalker und Yoda in „Star Wars: The Last Jedi“

Diese Konversation zwischen dem Jedi-Großmeister Yoda und seinem ehemaligen Schüler Luke Skywalker fasziniert mich.

Es ist zwar ein tolles Gefühl, zu gewinnen, aber lernen können wir in Wahrheit aus unseren Fehlern (und den Fehlern anderer) viel mehr. Tatsächlich sollten wir immer mental darauf vorbereitet sein, zu scheitern. Denn Fehler bieten sich uns als große Gelegenheit an: Um zu analysieren, was schief gelaufen ist und um aus ihnen zu profitieren. Ohne im Leben negative Erfahrungen zu sammeln lernen wir nicht dazu.



Im Rahmen einer kurzen Recherche zu dem Thema ist mir folgendes Beispiel aus der realen Geschichte untergekommen:

Während des 2. Weltkrieges existierte in den USA die “Statistical Research Group”. Diese Forschergruppe hatte zum Ziel, die Kriegsbemühungen der USA zu unterstützen, indem mathematische und statistische Probleme gelöst werden. Ein Mitglied dieser Gruppe, der Statistiker Adam Wald, widmete sich dem Problem, dass zu viele Kampfflugzeuge bei Einsätzen abgeschossen wurden.

Die gängige Strategie, um Kampfflugzeuge widerstandsfähiger zu machen, war, zu untersuchen, wo die zurückkehrenden Kampfflugzeuge Einschusslöcher hatten; an diesen Stellen wurden die Kampfflugzeuge dann zusätzlich verstärkt. Diese Strategie erwies sich aber als wenig wirksam.
Im Laufe seiner Analyse hatte Adam Wald eine wichtige Einsicht: Bei der gängigen Strategie wurden die Kampfflugzeuge, welche nicht überlebt hatten, komplett ignoriert. Wenn man die zerstörten Kampfflugzeuge mitbedachte, zeigte sich in logischer Hinsicht ein ganz anderes Bild: Das Problem wären eher jene Stellen, an denen die zurückkehrenden Flugzeuge keine Einschusslöcher hatten.

Beispielgrafik für Einschusslöcher bei rückkehrenden US-Kampfflugzeugen im 2. Weltkrieg (Bildquelle)

Die rückkehrenden Flugzeuge kehrten ja immerhin trotz der vorhandenen Einschusslöcher zurück. Die zerstörten Flugzeuge hätten, logisch gesehen, dementsprechend sehr wahrscheinlich auch überlebt, wenn sie an den gleichen Stellen wieder Beschuss erlitten hätten. Es war also viel wahrscheinlicher, dass die zerstörten Flugzeuge an den anderen, restlichen Stellen Beschuss erlitten hatten als die zurückkehrenden.
Darum schlug Adam Wald einen ausschlaggebenden Strategiewechsel vor: Die Flugzeuge sollten dort verstärkt werden, wo die zurückkehrenden Flugzeuge keine Einschusslöcher hatten. Mit seiner Schlussfolgerung hatte Wald durchschlagenden Erfolg.

Dieses Vorkommnis gilt als prominentestes Beispiel für den „Survivorship Bias“ („Überlebensirrtum“). Da erfolgreiche „Überlebende“ im Alltag eine größere Sichtbarkeit erzeugen als erfolglose „Verstorbene“, neigt man systematisch dazu, die Erfolgsaussichten zu überschätzen.

Achten wir im Alltag also lieber auf die weniger gut gestellten, weniger glänzenden Glieder in der Kette, orientieren wir uns an den Minderheiten der Gesellschaft und den sozial Schwachen, dann haben wir insgesamt mehr Aussicht auf dauerhaften Erfolg.


Das Copyright zum Beitragsbild liegt bei Lucasfilm / Disney.