Jelena, die Große

Eine der ruhelosen Seelen aus meinem Umfeld, die 2018 von der sterblichen Welt in eine andere weitergewandert sind.

Jelena habe ich Anfang 2013 über einen Freund kennengelernt, damals allerdings noch als „Niko(la)“. Wir besuchten sie im AKH auf der psychiatrischen Station, nachdem sie Opfer eines homo- bzw. transphoben Übergriffs geworden war. Ich interviewte sie zu dem Vorfall für die Lambda Nachrichten und lernte dabei einen Menschen kennen, der einen so arg selbstbewussten Eindruck auf mich machte, dass ich zu Beginn erstmal nur verschüchtert rumdrucksen konnte. Die ganze Situation war etwas verstörend: Mein erstes Interview, mein erster (Gast)Besuch in der Psychiatrie mit 16 Jahren, mein erster Kontakt zu einer transsexuellen Person… und dann diese Wucht an Selbstüberzeugung. Zumindest nach außen hin, mir gegenüber. Eine grandiose Erinnerung!

In den folgenden Jahren feierten wir oft und wild in den verschiedensten Lokalitäten miteinander. Da kam es schon auch vor, dass es für uns erst am nächsten Tag um 17 Uhr nachhause ging – oder dass ich mir mit Jelena einen Kampf mit einer leeren Sektflasche einbrockte.

Vergangenes Jahr nahm sich Jelena (vermeintlich) das Leben, weil sie Streit mit ihrer Familie hatte und sich Komplikationen bezüglich ihrer Hormontherapie ergaben. Ich hatte um den Zeitpunkt ihres Todes herum keinen Kontakt mit ihr – deshalb kenne ich die genauen Umstände nicht -, aber umso mehr macht man sich im Nachhinein Gedanken.

Danke für die vielen netten Erinnerungen.
Danke für die unzähligen „Lebensweisheiten“, liebe Jelena.

Suizid ist keine Lösung. Reden hilft!
Wiener Psychiatrische Soforthilfe: (01) 31 330
Österreichische Telefonseelsorge: 142

2013 im AKH